Arbeitsmarktökonom: Altersvorsorgedepot begünstigt Besserverdienende

2026-04-28
Das Altersvorsorgedepot hält ein gewerkschaftsnaher Ökonom für „teuer und unsozial". Er schlägt vor, besser den sozialen Wohnungsbau zu fördern.

Der Ökonom Frank Hoffer hält das Gesetz zum Altersvorsorgedepot für „teuer und unsozial". In einem Gastbeitrag in der Frankfurter Rundschau kritisiert er, die Reform nützte „in erster Linie Besserverdienern, Aktionären und der Finanzbranche" – und zwar auf Kosten der Steuerzahler.

Hoffer war zwanzig Jahre lang bei der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) der Vereinten Nationen tätig und hat sich dort mit Fragen der sozialen Sicherung beschäftigt. Heute arbeitet er als freier Autor und Fellow der Global Labour University, einem internationalen Netzwerk von Gewerkschaften und Universitäten, das sich mit den Themen Arbeit und soziale Gerechtigkeit befasst.

Hoffer kritisiert die Ausgestaltung der staatlichen Förderung: Um den Höchstzuschuss von 540 Euro jährlich zu erhalten, müssen Versicherte mindestens 1.800 Euro eigene Beiträge einzahlen. Während Gutverdiener mit 8.700 Euro Monatseinkommen dafür nur rund ein Prozent ihres Einkommens aufwenden müssten, wären das für Mindestlohnempfänger 6,5 Prozent ihres Einkommens. Hoffers Argument: Da viele Geringverdiener diese Beiträge schlicht nicht stemmen könnten, fließe künftig ein Großteil der Förderung faktisch an die wohlhabendere Bevölkerung.

Die Gesamtkosten der Zuschüsse für den Staat beziffert er auf rund 20 Milliarden Euro jährlich. Im Lauf von 20 Jahren kämen so bis zu 600 Milliarden Euro zusammen. Gleichzeitig müssten die Versicherten anders als bei früheren Riester-Modellen das volle Investitionsrisiko tragen, da die Mindestgarantien entfielen.

Er plädiert dafür, stattdessen einen staatlichen Rentenfonds zu schaffen, der in den sozialen Wohnungsbau investiert. Dieser könnte bezahlbaren Wohnraum fördern und Beschäftigung schaffen - und zugleich stabile Renditen für die Vorsorge sichern. An die SPD richtet er den Appell, die im Gesetz vorgesehene Option eines freiwilligen Staatsfonds nun auch offensiv zu nutzen: „Vorsorge für die Menschen – statt Fürsorge für die Finanzwirtschaft."