Bundesbank-Chef Nagel: Altersvorsorgedepot löst Rentenprobleme nicht

2026-05-13
Joachim Nagel lobt im Handelsblatt das Altersvorsorgedepot. Er fordert aber eine grundlegendere Rentenreform. Eine Anhebung des Renteneintrittsalters hält er für unausweichlich.

Das neue Altersvorsorgedepot, der Nachfolger der Riester-Rente, ist gerade vom Bundesrat abgesegnet worden. Nun lobt Bundesbank-Präsident Joachim Nagel in einem Interview mit dem Handelsblatt den Neuanfrang bei der privaten Vorsorge, dämpft aber die Euphorie.

Nagel macht deutlich, dass das neue Produkt die strukturellen Schwächen der gesetzlichen Rente nicht beheben werde. Angesichts der steigenden Lebenserwartung und des demografischen Drucks auf die Rentenversicherung sei eine umfassende Rentenreform unumgänglich:

So sehr ich das Altersvorsorgedepot begrüße – es wirkt erst mittelfristig und wird die Probleme der Rentenversicherung in den nächsten Jahren nicht lösen.

Konkret hält Nagel eine Anhebung des gesetzlichen Renteneintrittsalters für unausweichlich. Dies ist eine politisch durchaus heikle Forderung, die in der Regierung umstritten ist. Als Mitglied des Rats der Europäischen Zentralbank mahnt Nagel nicht nur in der Geldpolitik zu Nüchternheit, sondern auch in der Rentendebatte: Private Vorsorge allein, so seine Botschaft, könne strukturelle Reformen nicht ersetzen.

Die Äußerungen des Bundesbank-Chefs sind auch deshalb interessant, weil derzeit im Gespräch ist, die Bundesbank mit der Kapitalverwaltung zu beauftragen für das geplante staatliche Standardprodukt beim Altersvorsorgedepot.