Das Bundeskabinett hat am 12. August seinen Gesetzentwurf zur sogenannten Frühstartrente beschlossen. Das Gesetz sieht vor, dass der Staat für Kinder ab dem sechsten bis zum achtzehnten Lebensjahr monatlich zehn Euro in ein Altersvorsorgedepot einzahlt. Eltern können dieses Depot mit bis zu 570 Euro monatlich beziehungsweise 6.840 Euro jährlich aus eigenen Mitteln aufstocken. Richten Eltern für ihre Kinder kein Frühstartrenten-Depot ein, soll stattdessen der Bund die Beiträge teuhändisch in einem Sondervermögen anlegen. Diesen Fonds soll die Bundesbank verwalten.
Analogien zum Altersvorsorgedepot
Das angesparte Kapital kann später frühestens ab dem 65. Lebensjahr ausgezahlt werden. Die Frühstartrente wird damit analog zum Altersvorsorgedepot gedacht, das zum 1.1.2027 startet. Nach Berechnungen des Bundesfinanzministeriums, so berichtet unter anderem tageschau.de, könnten allein die staatlichen Einzahlungen bis zur Volljährigkeit auf rund 2.200 Euro anwachsen. Ohne weitere Einzahlungen sei daraus bis zum Renteneintritt der Aufbau von rund 53.000 Euro Kapital möglich, bei einer angenommenen durchschnittlichen jährlichen Wertentwicklung von sieben Prozent. Mit 50 Euro monatlicher Zuzahlung durch die Eltern sollen über 300.000 Euro erzielbar sein. Eine Garantie gibt es nicht.
Die Kosten der neuen Zuschüsse sollen zunächst bei 198 Millionen Euro jährlich liegen und bis zum Jahr 2030 auf 411 Millionen Euro jährlich steigen. Gefördert werden rückwirkend zum 1.1.2026 zunächst die Kinder des Geburtsjahrgangs 2020, ab 2027 rückt dann jährlich immer ein neuer Jahrgang nach. Ältere Jahrgänge gehen nach dem Gesetzentwurf leer aus.
Mehr Chancen oder bloße Symbolpolitik?
Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) begründet die Pläne mit dem Ziel größerer Chancengleichheit für die Altersvorsorge, denn die hänge bislang zu sehr vom Elternhaus ab. Zugleich soll die Frühstartrente Kinder und Jugendliche früh an den Kapitalmarkt heranführen. Sie soll später nahtlos in das neue staatlich geförderte private Altersvorsorgedepot übergehen. Widerspruch zu dem Gesetz kommt nach Berichten im Spiegel unter anderem von der Linken, die das Vorhaben als „Sinnlosprojekt“ und bloße Symbolpolitik bezeichnete, sowie von der IG Metall, die darin vor allem einen „Köder“ für Fondsanbieter sieht. CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann dagegen verteidigte die Pläne. Die Frühstartrente böte die Chance, junge Menschen früh vom Zinseszinseffekt profitieren zu lassen.
Das Gesetz muss noch den Bundestag passieren. In Kraft treten soll es zum 1. Januar 2027 und dann rückickend ab diesem Jahr starten.