Geplante Kürzungen der Bundeszuschüsse drohen die Rentenfinanzen zu destabilisieren. Das sagte Alexander Gunkel, Vorsitzender des Bundesvorstandes der Deutschen Rentenversicherung Bund (DRV), bei der Bundesvertreterversammlung am Mittwoch (10.6.) in Potsdam. Die Welt hatte unter anderem darüber berichtet. Hintergrund der Äußerung: Der Bundeszuschuss zur Rente soll 2027 um vier Milliarden Euro gekürzt werden. Das „konterkariere die Beschlüsse zum Rentenpaket 2025“, sagte Gunkel in seiner Rede. Denn darin habe sich die Koalition noch verpflichtet, das aus politischem Kalkül stabilisierte Rentenniveau und die sogenannte Mütterrente III aus Steuermitteln zu finanzieren. Die finanziellen Folgen der geplanten Kürzung wäre laut DRV unmittelbar spürbar: Mit geringeren Zuschüssen müsste bei ansonsten unveränderter Lage der Beitragssatz zur Rente bereits 2027 von derzeit 18,6 auf dann 18,8 Prozent steigen.
Die Rentenversicherung zehrt aktuell Rücklagen auf
Das Rechnungsergebnis der allgemeinen Rentenversicherung war nach Angaben der DRV im Jahr 2025 wie erwartet negativ ausgefallen: Das Minus lag demnach bei 3,9 Milliarden Euro. Die sogenannte Nachhaltigkeitsrücklage war dadurch auf 41,3 Milliarden Euro gesunken. Das entspricht 1,38 Monatsausgaben. Bis Ende 2026 wird sie auf rund 1,0 Monatsausgaben schrumpfen. Das liegt zwar noch deutlich über der gesetzlichen Mindesthöhe von 0,3 Monatsausgaben. Bis Ende 2027 werde dieser Puffer aber weitestgehend aufgezehrt sein, sagte Gunkel auf der Jahreskonferenz.
Grund für die strukturelle Schieflage sind gesamtgesellschaftliche Aufgaben, die die Rentenversicherung schultern muss. So werden beispielsweise auch Schul- und Hochschulzeiten auf die Rentenbiografie angerechnet. Dies ist aber ebenso wenig durch Beiträge gegenfinanziert wie die abschlagsfreie Rente für besonders langjährig Versicherte. Was nicht über Bundeszuschüsse abgedeckt werde, müsse dann de facto sachfremd von den Versicherten aus Beitragsmitteln mitbezahlt werden.
Stabile Rentenbeiträge sind für 2027 nicht mehr sicher
Im April hatte die DRV ihre jährliche Frühjahrsfinanzschätzung veröffentlicht. Darin hieß es noch, der Beitragssatz könne 2027 stabil bei 18,6 Prozent bleiben, würde erst 2028 sprunghaft auf 19,9 Prozent ansteigen. Für 2029 wird darin ein Anstieg auf 20 Prozent erwartet, bis 2035 könnte der Beitragssatz auf rund 21 Prozent anwachsen.
Die geplanten Bundeszuschusskürzungen sowie eine im Referentenentwurf für das Pflegeneuordnungsgesetz vorgesehene Reduzierung der Rentenversicherungsbeiträge der Pflegeversicherung seien in dieser Schätzung noch nicht berücksichtigt, sagte Gunkel. Daher drohe nun ein schnellerer Beitragsanstieg. Höhere Beiträge im Umlageverfahren sind auch demografisch bedingt: Die Zahl der Rentenempfänger steigt, zugeich erwartet die Regierung für 2026 einen leichten Rückgang der Beschäftigtenzahl, eine Belebung des Arbeitsmarkts ist nicht in Sicht.
Die Bundesregierung hatte zum Jahresbeginn eine neue Alterssicherungskommission eingesetzt, die noch im Juni Reformvorschläge vorlegen soll. Gunkel betonte, dass die Sozialpartner den Prozess in den vergangenen Wochen konstruktiv begleitet und sich in Anhörungen für die Interessen der Rentenversicherung und Beitragszahlenden eingesetzt hätten.