Rente mit 70? BILD meldet Einigung, Kommission dementiert

2026-05-21
Ende Juni soll eine Expertenkommission Vorschläge für eine Rentenreform vorlegen. Die BILD berichtet nun, man sei einig, dass das Renteneintrittsalter auf 70 Jahre steigen müsse. Mitglieder der Rentenkommission widersprechen – und verweisen auf strikte Vertraulichkeit.

Mitglieder der von der Bundesregierung eingesetzten Rentenkommission haben einen Bericht der Bild-Zeitung zurückgewiesen, wonach das Gremium empfehlen will, das Renteneintrittsalter schrittweise auf 70 Jahre anzuheben. Über die angeblichen Eckpunkte einer Einigung innerhalb des Gremiums hatte auch die WELT berichtet.

Dort kommen nun auch Gegenstimmen zu Wort: Der CDU-Bundestagsabgeordnete Pascal Reddig erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, der Bericht treffe „schon deshalb nicht zu, weil bislang über die beschriebenen Punkte noch keine Beschlüsse getroffen wurden". Die SPD-Abgeordnete Annika Klose wiederum betonte, „dass Vieles noch nicht entschieden ist" und die Kommission noch vier bis fünf Wochen Beratungszeit benötige. Beide sind Mitglieder der Kommission. Sie verweisen zudem auf die vereinbarte strikte Vertraulichkeit der Kommissionsarbeit.

Kanzleramtschef mahnt zur Vorsicht

Kanzleramtschef Thorsten Frei von der CDU sprach derweil bei WELT TV von Spekulationen. Er mahnte, mit solchen „Wasserstandsmeldungen" vorsichtig zu sein. Gleichwohl zeigte er sich grundsätzlich offen dafür, die Lebensarbeitszeit zu verlängern: Wenn die Lebenserwartung steige, müsse sich das auch auf die Lebensarbeitszeit auswirken – das sei „durchaus sehr vernünftig".

Was die BILD berichtet hatte

Die Bild-Zeitung hatte unter Berufung auf nicht näher benannte Kommissionskreise berichtet, das Gremium wolle eine schrittweise Erhöhung des Renteneintrittsalters von derzeit 67 auf 70 Jahre bis Anfang der 2060er Jahre vorschlagen. Demnach solle die Grenze Anfang der 2040er Jahre auf 68 Jahre steigen, ein Jahrzehnt später dann auf 69 und schließlich stufenweise bis auf 70 Jahre. Zudem sei auch eine Absenkung des Rentenniveaus auf 46 Prozent im Gespräch - wenngleich es darüber noch keine Einigkeit gebe. Es liegt derzeit bei 48 Prozent.

Die Debatte um die Rente mit 70 sorgt in der Koalition seit mehreren Wochen für kontroverse Diskussionen. Tendenziell ist die CDU dafür, die SPD will das Renteneintrittsalter dagegen flexibler gestalten und an die Lebensarbeitszeit koppeln. Die Rentenkommission will ihre Empfehlungen am 30. Juni vorlegen. Beobachter erwarten, dass das Ergebnis die Richtung der weiteren Debatte lenken wird.