Das Altersvorsorgereformgesetz verabschiedet sich von garantierten Leistungen. Erstmals bezuschusst der Staat ab dem kommenden Jahr auch Fondssparpläne, die keinen Kapitalerhalt garantieren. Auch die obligatorische ewige monatliche Rente ist adé – Rentner können ihr Vermögen künftig über zeitlich begrenzte Auszahlpläne aufbrauchen.
Für angehende Ruheständler sind das sehr gute Nachrichten. Denn ohne Garantien und Ewigkeitsversprechen legst du dein Geld weitaus riskanter an. Und damit auch ertragreicher. Schließlich bedeutet Risiko hier nicht Glücksspiel oder Totalverlust. Vielmehr bietet erst ein gewisses Risiko die Chance auf höhere Renditen. Wenn du zur Altersvorsorge über lange Zeit anlegst, ist dies umso wichtiger, um das Geld über die Zeit ordentlich zu vermehren. Du solltest daher das Risiko bei der Ruhestandsplanung nicht nur berücksichtigen, sondern schätzen lernen.
Schwankungüber die Zeit: Das bedeutet Risiko
Wenn Vermögensverwalter von Risiko sprechen, meinen sie damit in erster Linie die Volatilität. Sie zeigt an, wie stark ein Wertpapier oder ein Index um seinen Mittelwert schwankt. Hohe Volatilität bedeutet: Die Kurse gehen mal stark nach oben, mal schlagen sie nach unten aus. Bei niedriger Volatilität sind die Schwankungen eher gering.
Beim Kursverlauf gilt zudem: Je länger dein Geld angelegt bleibt, desto geringer ist das Risiko, Verluste zu erleiden. Die Wahrscheinlichkeit, mit einem breit gestreuten Aktienindex Geld zu verlieren, schrumpft bereits nach 15 bis 20 Jahren deutlich, zeigen Daten aus der Vergangenheit.
So viel Unterschied macht Rendite
Zugleich lohnt es auf lange Sicht ganz besonders, seine Anlagestrategie auf höhere Erträge auszurichten. Warum, zeigt ein Rechenbeispiel. Wir lassen hier mal bewusst Kosten, Steuern und Inflation beiseite und konzentrieren und rein auf die nominalen Renditen:
- Legst du 10.000 Euro an und erzielst einmal zwei Prozent Rendite und einmal sechs Prozent, dann steigt die Anlagesumme im ersten Fall nach zehn Jahren um 2.190 Euro. Im zweiten Fall sind es 7.908 Euro.
- Nach zwanzig Jahren stehen beim 2-Prozent-Ziel 4.859 Euro Wertzuwachs und bei der 6-Prozent-Anlage 22.071 Euro Gewinn. Dass der Unterschied so groß ist und im Lauf der Zeit immer weiter anwächst, liegt auch am Zinseszinseffekt. Weil Zinsen in den Folgejahren selbst Zinsen abwerfen, erhöhen sie die Rendite.
Vom Tagesgeld bis zum Optionsschein:
Die 7 Risikoklassen
Bei Anlageprodukten geben sogenannte Risikoklassen an, wie sehr Anlageprodukte schwanken. Die Skala reicht von 1 (sicher) bis 7 (sehr riskant) und wird anhand des SRRI (Synthetic Risk and Reward Indicator) bestimmt, der dazu die historischen Wertschwankungen analysiert. Bei Anleihen spielt zusätzlich die Bonität des Schuldners eine Rolle, also das Risiko, dass ein Kreditnehmer seine Schulden nicht begleichen kann.
Klasse 1 steht für höchste Sicherheit wie beim Tages- oder Festgeldkonto. Ein Verlust ist hier praktisch ausgeschlossen, auch die Rendite steht zu Beginn genau fest. Sie ist für diese Sicherheit aber entsprechend niedrig. Risikoklasse 2 umfasst ebenfalls sicherheitsorientierte Anlagen wie langlaufende Staatsanleihen aus soliden Industriestaaten. Klasse 3 gilt für konservative Geldanlageprodukte wie Mischfonds oder Anleihefonds hoher Bonität.
Aus Renditesicht interessanter wird es ab Klasse 4, wo auch die ersten Aktienfonds vorkommen. In diese Klasse fallen in gewöhnlichen Börsenzeiten breit gestreute Aktienfonds wie ETFs auf den MSCI World. Je fokussierter ein Fonds anlegt, desto höher wird dann das Risiko: Ein ETF, der den US-Aktienmarktindex S&P 500 nachbildet, rutscht so oft schon in Klasse 5. Das neue Altersvorsorgedepot ermöglicht übrigens die Anlage in Fonds bis zu dieser Klasse.
Konzentriert sich ein Fonds nur auf Aktien einer Branche oder auf Hebelprodukte, fällt er oft unter Klasse 6. Die höchste Risikostufe, Klasse 7, ist speziellen Anlageformen wie Optionen und Termingeschäften vorbehalten. Hier drohen weitaus eher hohe Verluste.
So wenig Risiko steckt in deiner Altersvorsorge
Risiko ist nicht nur abhängig von deinem Anlagehorizont. Mit Blick auf deine Altersvorsorge solltest du auch einmal das Gesamtrisiko in den Blick nehmen, das du über alle Vorsorgeformen hinweg eingehst. So bestreiten die meisten Deutschen ihre Altersvorsorge entlang der drei Säulen der gesetzlichen, betrieblichen und privaten Vorsorge. Würde man diese Vorsorgeformen einzeln auf einer Risikoskala einordnen, wäre die gesetzliche Rente definitiv ein sehr sicheres Anlageobjekt. Zwar kann die Rentenhöhe später angepasst werden – wie wir auch in diesem Artikel erklärt haben. Große Sprünge sind aber nicht zu erwarten.
Bei der betrieblichen Rente kommt es dann ein bisschen auf den eigenen Vertrag an. Die meisten betrieblichen Vorsorgepläne sind aber ebenfalls sehr sicher aufgebaut und schließen Verluste mehr oder weniger aus. Selbst private Lebens- und Rentenversicherungen investieren oft sehr sicherheitsorientiert und bieten höhere Garantien als Renditen. Und wenn du zudem auch noch eine Immobilie besitzt, bist du mit konservativen Anlageformen mehr als üppig ausgestattet.
Deine Versorgung im Alter basiert also häufig überwiegend aus sehr risikoarmen Bausteinen. Wenn du nun zusätzlich noch etwas privat vorsorgst, kannst du für diesen Teil bewusst etwas mehr Risiko eingehen und bleibst doch insgesamt immer noch auf der sicheren Seite. So richtest du wenigstens einen Teil deiner finanziellen Vorsorge nach der Rendite aus.
PROBIER ES SELBST AUS: Wenn du konkret ausrechnen willst, wie du mit höheren Renditen über die Zeit deine Renten aufbessern kannst, nutze am besten unsere Rentenrechner, die du hier findest. Dort zeigen wir dir auch, wie viel Geld dir für das Alter fehlt – und wie du die Lücke mit einem renditestarken Spar-Fahrplan schließen kannst.



















