Die Botschaft ist ernüchternd: Wer im Ruhestand nicht bloß überleben, sondern aktiv leben will, muss privat vorsorgen – und zwar kräftig. Das ist ein zentrales Ergebnis des „Vorsorgekompass 2026“, einer Studie des Centers für Intergenerative Finanzwissenschaft (CIF). Das Institut der WHU Otto Beisheim School of Management hat die neue Analyse im Auftrag der Fondsgesellschaft Union Investment erstellt.
Die Rechnung geht nicht auf
Danach haben Ruheständler in Deutschland im Schnitt Ausgaben von 3.148 Euro pro Monat. Rund die Hälfte fließt in Wohnkosten, dazu kommen Kosten für Lebensmittel, Mobilität und Gesundheit sowie Sonderposten wie Reisen, Restaurantbesuche, Sport oder Kultur. Dem stehen laufende Einnahmen von nur 2.988 Euro gegenüber – aus der gesetzlichen Rente, Pensionen, berufsständischen Versorgungswerken oder landwirtschaftlichen Alterskassen, Betriebsrenten sowie privaten Lebens- und Rentenversicherungen. Auch Einkommen aus Vermögen sind hier bereits berücksichtigt, also Mieteinahmen, Zinsen, Dividenden und Ähnliches.
Bleibt eine Lücke von rund 160 Euro im Monat. Dafür müssen die Ruheständler an ihr Vermögen: „Aufzehrende Entnahme aus dem Kapitalstock“ nennen die Autoren das. Anders gesagt: Im Alter ist es in der Regel nötig, Ersparnisse aufzulösen. Die sollte man tunlichst vorher aufgebaut haben. Die Studie berechnet eine theoretische Versorgungslücke bei einer Absicherung ausschließlich über die gesetzliche Rente von 302.000 Euro zum Ruhestandbeginn. Berücksichtigt man die typischen weiteren Einkünfte aus Eigentum und Kapital, fehlen immer noch 153.000 Euro Startkapital, um im Alter genug Geld zu haben.
Für junge und aktive Alte ist die Lücke noch größer
Und diese Durchschnittszahlen verschleiern die teils noch dramatischere Lage in Einzelfällen. Daher gehen die Studienmacher ins Detail, blicken beispielsweise auf unterschiedliche Altersgruppen beziehungsweise Ruhestandsphasen. Ergebnis hier: Die Differenz zwischen Einkommen und Ausgaben ist bei jüngeren Ruheständlern zwischen 60 und 69 Jahren mit rund 300 Euro deutlich größer als bei den Älteren, die bloß 100 Euro mehr ausgeben als sie einnehmen. Hauptgründe hier: Die Älteren haben insgesamt eine bessere gesetzliche Versorgung und besitzen öfter Wohneigentum.
.jpg)
Zudem haben die Studienmacher verschiedene Lebensstile identifiziert, die zu ganz unterschiedlichen Ausgabenmustern führen: Während „Alltagstreue“ mit bescheidenem Konsum auskommen, geben „Reisende“ und „Aktive“ deutlich mehr aus und brauchen dementsprechend auch ein größeres Vermögenspolster, um ihre Bedürfnisse an Mobilität, Kultur und Freizeit befriedigen zu können. Der Lebensstil ist ein erheblicher Kostenfaktor: Reisefreudige und kulturell aktive Senioren geben im Monat oft 1.000 bis 1.500 Euro mehr aus als häuslich orientierte Menschen, berichten die Studienautoren. Auch wenn sie in der Tendenz etwas höhere Budgets zur Verfügung haben, ist ein solcher Lebensstil ohne zusätzliche Ersparnisse nicht drin. Die Kapitallücke in Bezug auf die gesetzliche Rente liegt hier zum Rentenbeginn sogar bei 365.000 Euro. Selbst mit Zusatzversorgung und Wohneigentum fehlt ihnen noch ein Kapitalstock in Höhe von 163.000 Euro, um den Ruhestand „erlebnisorientiert“ zu gestalten, schreiben die Autoren.
Gesetzliche Rente bietet bloß Teilkasko
Aus der gesetzlichen Rentenversicherung ist all das jedenfalls nicht zu finanzieren. Sie deckt im Durchschnitt nur noch 60 Prozent der Ausgaben eines Ruhestandshaushalts ab. Ohne andere Vorsorgebausteine fehlten somit im Schnitt weit über 1.000 Euro im Monat – die gesetzliche Rente ist also bloß so etwas wie eine Teilkasko-Lösung mit erheblicher Zuzahlung. Wer im Alter aktiv bleiben möchte, muss definitiv selbst vorsorgen.
Die Forscher fordern daher wenig verwunderlich eine komplette Neuausrichtung des Systems: Eine transparente Kommunikation über die Grenzen der gesetzlichen Rente, die Förderung günstiger und renditestarker Zusatzprodukte und ein Rahmen, der individuelle Lebensläufe berücksichtigt. Zur gesetzlichen Rente, betrieblichen und privaten Vorsorge gehört dabei als vierte Säule der Vermögensaufbau.
Um von der Versorgungslücke zum erforderlichen Kapitalstock zu kommen, rechnen die Studienautoren übrigens mit einer Leibrente bei 25 Jahren durchschnittlicher Laufzeit und einer Kapitalanlage mit 3,0 Prozent Zinsen.
UNSER TIPP: Wenn du selbst deine eigene Rentenlücke mit konkreten Annahmen zu Zins, Laufzeit und mehr ausrechnen willst, nutze am besten unsere Rentenrechner, die du hier findest. Dort zeigen wir dir nicht nur, wie viel Geld dir für das Alter fehlt. Du erfährst auch, wie du diese Lücke schließen kannst – und zwar mit einem renditestarken Spar-Fahrplan für die Zeit von jetzt bis zum Ruhestand und darüber hinaus.


















