Den Ruhestand ganz ohne Geldsorgen genießen: Wie schön wäre das denn. Tatsächlich sind selbst hohe Sparziele gar nicht so weit entfernt, wie du vielleicht denkst. Wer früh beginnt und langfristig breitgestreut am Aktienmarkt investiert, kann durchaus reich in Rente gehen. Ein Schlüssel dafür liegt im Zinseszinseffekt: Erträge werfen in den Folgejahren immer wieder selbst Erträge ab. So wächst dein Vermögen nicht linear, also Jahr für Jahr um denselben Betrag, sondern immer schneller, also exponentiell. Sechs Prozent Rendite auf 100 Euro machen im ersten Jahr ein Plus von sechs Euro, im zweiten Jahr schon 6,36 Euro, und im zehnten Jahr kommen schon 10,14 Euro obendrauf. So wächst aus kleinen Sparanfängen im Lauf der Zeit eine beachtliche Summe.
Doch wie viel müsstest du konkret zurücklegen, um zum Rentenbeginn rund eine Million Euro gespart zu haben? Das rechnen wir an vier Beispielfällen vor. Wir gehen dafür davon aus, dass das Geld zu 100 Prozent in Aktien steckt. Dort sollte es nach Kosten eine durchschnittliche jährliche Rendite von sechs Prozent pro Jahr erzielen. Das erscheint mit Blick auf vergangene Renditen als plausible Annahme. Als Rentenbeginn rechnen wir mit 67 Jahren. Außerdem erhöhen wir für unsere Rechnung die Einzahlungen jährlich um drei Prozent. Das gleicht Inflation aus und berücksichtigt steigende Einkommen. Steuern, Gebühren und Inflation lassen wir für die Rechnung ansonsten außen vor. Bei sechs Prozent angenommenem Netto-Ertrag ist hierfür aber ein gewisser Puffer drin.
Reich in Rente: So geht es
Ein 20-Jähriger hat wenig Geld, aber viel Zeit, nämlich 47 Jahre, um für seine Rente vorzusorgen. Er hat kein Anfangskapital, fängt also bei Null an. Nun müsste er monatlich 211 Euro zurücklegen und diese Summe dann jedes Jahr um drei Prozent steigern. So hat er bei Rentenbeginn rund eine Million Euro zusammen. Die Million besteht dann aus 254.670 Euro Einzahlungen und aus 745.330 Euro Gewinn.
Eine 30-Jährige hat auch noch viel Zeit (37 Jahre) bis zur Rente. Wir gehen in diesem Fall davon aus, dass sie schon 10.000 Euro gespart hat. Um zum Renteneintritt daraus eine Million Euro zu machen, müsste sie ab sofort mit einer monatlichen Anlagesumme von 391 Euro loslegen, jährliche Steigerung auch hier drei Prozent. Das Endvermögen besteht dann aus den 10.000 Euro Startkapital, 310.870 Euro weiteren Einzahlungen und 679.130 Euro Zins und Zinseszins.
Beim 40-Jährigen gehen wir von 20.000 Euro Startkapital aus. Er hat noch 27 Jahre bis zur Rente. Für eine Million Euro müsste er mit 40 Jahren nun monatlich anfänglich schon 841 Euro am Aktienmarkt investieren und dann jedes Jahr drei Prozent mehr. Bei ihm kommen 20.000 Euro aus dem Startkapital und 410.900 Euro aus Einzahlungen. Der Gewinn liegt bei 569.100 Euro.
Eine 50-Jährige hat in unserem Modell 30.000 Euro Ersparnisse auf der hohen Kante. Dann muss sie für eine Million Euro bis zur Rente monatlich 2.140 Euro zurücklegen, bei drei Prozent Steigerung pro Jahr. Das sind über 25.000 Euro im Jahr - wie realistisch das ist, hängt natürlich sehr von den Einkommensverhältnissen ab. Nach 17 Jahren hat sie so 558.900 Euro ins Depot gebucht, zusätzlich zu den 30.000 Euro Startkapital. 411.100 Euro des Endvermögens stammen aus Erträgen.
Zwischen Theorie und Praxis
Klar, die Rechnungen sind bloß ein erster grober Überschlag. So wird, sobald du Aktien oder Fonds verkaufst, Abgeltungsteuer fällig. Du bist also bloß Depot-Millionär, hast das Geld aber nicht auf deinem Konto zur Verfügung. Außerdem verliert dein Vermögen durch die Inflation jährlich an Kaufkraft. Ein Millionär in 35 Jahren kann sich bei zwei Prozent jährlicher Inflation von dem Geld bloß noch halb so viel kaufen wie heute. Und dann ist da noch die Unsicherheit bei der Rendite. Die wird schwanken, anders als bei dem in diesem Rechenbeispiel unterstellten Durchschnittswert. Die ersten Jahre entscheiden besonders stark darüber, wie gut der Zinseszinseffekt wirken kann. Dieses sogenannte Reihenfolge-Risiko wirkt auch umgekehrt: Wer das Pech hat, gerade am Anfang schlechte Börsenjahre zu erleben, wird später weniger im Depot haben.
Und wenn du eine Immobilie besitzt oder noch anderes Einkommen hast, ist dein Rentenbedarf vielleicht auch gar nicht so groß. Mit unserem Rentenrechner kannst du deinen ganz persönlichen Vorsorgebedarf anhand deiner eigenen Einnahmen und Ausgaben berechnen.
Hilft immer: Zinseszins
Was du in jedem Fall mitnehmen kannst: Früh anzufangen lohnt sich: Beim 20-Jährigen besteht die Million nämlich zu drei Vierteln aus Rendite, bei der 50-Jährigen sind es bloß noch 41 Prozent. Ältere sollten aber nicht verzagen: Sie müssen sich schließlich auch mit Beginn des Ruhestands nicht vom Aktienmarkt verabschieden. Auch während der Rentenphase können sie weiterhin in Aktien investieren und sich so die Chance auf Rendite und Zinseszinsen für mehrere Jahrzehnte erhalten.





















