Viele wissen, dass sie besser privat für das Alter vorsorgen. Doch wie viel? Grundsätzlich gilt: Jeder Beitrag nützt – so klein er auch ist. Außerdem gilt: Je früher, desto besser. Denn dank Zinseszinseffekt wirft dein Erspartes in den Folgejahren selbst Zinsen ab, so dass das Vermögen im Lauf der Zeit quasi ganz von alleine immer schneller wächst.
Bei der Kapitalanlage in Aktien geht es genau genommen natürlich nicht um Zinsen, sondern um Rendite aus Kursgewinnen und Dividenden. Der Effekt ist aber derselbe wie beim Zins: Wer jeden Monat 50 Euro zurücklegt, hat nach zehn Jahren bei einer Rendite von sechs Prozent mehr als 8.000 Euro zusammengespart – Steuern außen vor. Zu den insgesamt 6.000 Euro Einzahlung kommen dann rund 25 Prozent Gewinn über eine Dekade. Nach zwanzig Jahren hat sich das eingezahlte Geld dank Zinseszins nahezu verdoppelt. Nach dreißig Jahren fast verdreifacht.
Es lohnt sich also, früh zu starten.
Wie viel Altersvorsorge kann ich mir leisten?
Um diese Frage zu beantworten, musst du zuerst einen Überblick über deine Einnahmen und Ausgaben gewinnen und kategorisieren: Was sind regelmäßige Posten, was ist flexibel? Welche Ausgaben sind unentbehrlich, welche optional? So lässt sich ermitteln, wie viel monatlich in die Altersvorsorge fließen kann und wie viel für Freizeit übrigbleibt.
In der Finanzberatung ist häufig von einem sogenannten Drei-Konten-Modell die Rede. Auf Konto 1 landet das, was du monatlich für laufende Ausgaben und zur freien Verfügung brauchst. Was übrig bleibt, fließt gedanklich auf Konto 2. Das ist ein Notfallkonto, auf dem Geld für eine kaputte Waschmaschine, eine Autoreparatur oder eine plötzliche Kündigung liegt. Dieser Notgroschen soll Experten zufolge drei bis sechs Netto-Monatsgehälter betragen. Konto 3 ist für die Geldanlage zur Altersvorsorge da. Wenn das Notgroschenkonto gefüllt ist, fließt das Geld in die Altersvorsorge oder andere größere Sparziele.
Die Alternative: Wie viel Altersvorsorge brauche ich?
Wenn du deine Budgetplanung aufgestellt hast, fragst du dich vielleicht, ob dein Sparziel ambitioniert genug ist oder ob du deine Ausgaben kürzen solltest, um mehr zurückzulegen. Du solltest deshalb immer auch deinen Sparbedarf im Blick behalten. Eine einfache Faustformel besagt, dass man monatlich zwischen 10 und 15 Prozent des Nettoeinkommens zurücklegen sollte, besser noch 20 Pozent. Bei einem Gehalt von 2.900 Euro wären das also zwischen 290 und 580 Euro pro Monat. Das ist aber nur eine grobe Faustformel und kann je nach Alter großzügig kalkuliert oder aber viel zu wenig sein. Alternativ kann die 50-30-20-Regel helfen.
In den USA, wo die gesetzliche Absicherung im Alter schlechter ist, kursiert eine weitere Regel zu konkreten Sparzielen gestaffelt nach Alter. Auch sie kann als Anhaltspunkt dienen: Mit 30 sollte danach ein komplettes Jahresgehalt im Depot liegen, mit 40 Jahren ein Dreifaches, mit 50 ein Sechsfaches und mit 60 das Achtfache. Zum Rentenbeginn sollen so dann zehn Jahresgehälter bereitstehen. Mit einem solchen Kapitalstock lassen sich etwa 45 Prozent des bisherigen Einkommens allein aus Erspartnissen bestreiten - lebenslang. Wenn du jährlich 60.000 Euro verdienst, sind das zum Rentenbeginn indes bereits 600.000 Euro.
Die Zielwerte für Deutschland dürfen etwas niedriger ausfallen, denn bei uns ist die gesetzliche Absicherung besser. Außerdem vernachlässigt dieser Ansatz die persönliche Situation. Präziser ist es deshalb, eine persönliche Zielvorgabe zu entwickeln. Das kann die Rentenlücke sein als der Betrag, den du heute zurücklegen musst, um deinen Lebensstandard im Alter halten zu können. Solche Rechnungen haben den Vorteil, dass du tatsächliche Einnahmen mit deinem Lebensstandard vergleichst und so eine realistische persönliche Richtgröße bekommst. In Teil 1 dieser Serie: Die Bestandsaufnahme haben wir erklärt, wie du deine persönliche Rentenlücke berechnest und wie du unsere Rentenrechner dazu nutzen kannst.
Unser Tipp: Am besten kombinierst du beide Ansätze: Berechne zuerst deine Rentenlücke als Zielwert und gleiche ihn dann mit deinem Budget ab. So entwickelst du eine konkrete Vorstellung davon, was du sparen kannst. Und ob das ausreicht.































