WISSEN: Was die Rentenerhöhung wirklich bedeutet

Porträt Olaf Wittrock | Foto: Rudolf Wichert
Olaf Wittrock
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25 Mar 2026
Wie jedes Jahr steigen auch Mitte 2026 die Renten wieder: um fast 4,3 Prozent. Und wie jedes Jahr folgt dem Beschluss die Debatte um die Finanzierung. Dieses Jahr machen wir mit.

Die Rentenerhöhung für dieses Jahr steht fest: Zum 1. Juli steigen die gesetzlichen Renten durchweg um 4,24 Prozent. Das ist sogar etwas mehr zuvor erwartet. Und dass Ruheständler künftig mehr Geld bekommen, das liegt an einer umstrittenen Sonderregel, die auch in diesem Jahr wieder greift, der Haltelinie. Wir erklären, wie die Erhöhung zustandekommt. Was der aktuelle Stand der Gesetzgebung für künftige Rentenanpassungen bedeutet. Und welche Reformen zur Debatte stehen.

Wie kommt die Rentenerhöhung zustande?

Wenn es um Rentenanpassungen geht, dann ist damit in aller Regel ein höheren Rentenwert gemeint. Er legt fest, wie viel Geld die Deutsche Rentenversicherung pro Rentenpunkt an Ruheständler auszahlt. Aktuell gibt es 40,79 Euro Rente pro Punkt. Zum 1. Juli steigt der Rentenwert auf 42,52 Euro. Anders gerechnet: Wer heute 1.000 Euro Rente bekommt, erhält ab Juli 1.042,40 Euro.

Wie stark der Rentenwert steigt, hängt von der Lohnentwicklung ab. Die sogenannte Rentenanpassungsformel gibt vor, wie stark Gehaltssteigerungen der arbeitenden Bevölkerung an Rentner weitergegeben werden. Grundlage ist der Lohnfaktor, der dann noch durch ein paar andere Faktoren korrigiert wird. So sorgt ein eigener Beitragssatzfaktor dafür, dass steigende Rentenbeiträge nicht allein Arbeitnehmer treffen, sondern sich auch Rentner beteiligen. Ein Nachhaltigkeitsfaktor reagiert auf das Verhältnis zwischen Beitragszahlern und Rentenbeziehern: Sind mehr Menschen in Rente und weniger arbeiten, dämpft der Faktor mögliche Erhöhungen. Weil Renten nominal niemals sinken dürfen, holt schließlich ein Nachholfaktor ausgefallene Kürzungen in späteren Jahren nach. Hätte also die Rente nach der Formel eigentlich sinken müssen, steigt sie stattdessen in Folgejahren etwas weniger stark.

Die komplexe Rentenformel gilt nicht immer. Fällt die Rente nach der Anpassung laut Formel unter das sogenannte Mindestsicherungsniveau, wird sie außer Kraft gesetzt. Den Begriff kennst du auch als Haltelinie: Das Rentenniveau, so hat es die Regierung beschlossen, soll nämlich in den kommenden Jahren niemals unter 48 Prozent des Durchschnittslohns sinken. Gemessen wird all das stets am fiktiven Standard- oder Eckrentner, der 45 Jahre lang durchschnittlich verdient und damit dann im Lauf des Berufslebens genau 45 Rentenpunkte angesammelt hätte. Seine Rente wird ins Verhältnis zum aktuellen Durchschnittslohn gesetzt.

Was bedeuten die aktuellen Renten für die Zukunft?

Im Juli 2024 wäre das Rentenniveau zum ersten Mal unter 48 Prozent gefallen, was die Haltelinie somit vor zwei Jahren erstmals verhindert hat. Das frisch beschlossene Rentenpaket 2025 schreibt vor, dass die Haltelinie bis zum Jahr 2031 weiter gilt. Für Rentner ist das von Vorteil, denn mit Haltelinie bekommen sie in der Regel mehr als mit der klassischen Anpassungsformel. Dieses Jahr etwa wäre die Rente ohne Haltelinie bloß um 4,05 Prozent gestiegen. Bis 2031 würde das Rentenniveau ohne Haltelinie bis auf 47 Prozent absinken, rechnet das Bundesarbeitsministerium vor. Das wären umgerechnet rund 420 Euro weniger pro Jahr für den Eckrentner.

Das Geld dafür kommt nicht aus höheren Rentenbeiträgen. Vielmehr gleicht die Regierung die Mehraufwand mit Steuern aus. Zusammen mit der Mütterrente III, durch die künftig alle Müttern drei volle Kindererziehungsjahre angerechnet bekommen, steigt die Kostenbelastung für den Bund damit um 0,3 Prozent, gemessen am Bruttoinlandsprodukt. Klingt nach wenig, ist aber ein zweistelliger Milliardenbetrag.

Und das ist noch nicht alles: Selbst wenn die Haltelinie 2031 ausläuft, bleibt die Rente in den Folgejahren deutlich höher als ohne die Maßnahme. Konkret soll das Rentenniveau noch im Jahr 2040 einen Prozentpunkt höher liegen als ohne Haltelinie. Der Bundesrechnungshof beziffert laut einer Ifo-Recherche die Mehrkosten dafür bis zum Jahr 2040 auf rund 145 Milliarden Euro, also durchschnittlich zehn Milliarden Euro pro Jahr. Für die Junge Union und andere Kritier ist das zu viel: Sie kritisierte zuletzt, dass das Rentenpaket vor allem jüngere Generationen belastet, die heute die Zeche für die Ruheständler zahlen müssen, ohne je selbst davon profitieren zu können.

Welche neuen Reformen stehen im Raum?

So oder so: Unter der aktuellen Gesetzgebung bleibt die Haltelinie bis 2031. Neu ist außerdem die sogenannte Aktivrente, die es Rentnern erlaubt, auch nach Regelaltersgrenze biszu 2.000 Euro monatlich steuerfrei zur Rente dazuzuverdienen. Die konkreten Regeln der Aktivrente haben wir hier für dich zusammengefasst. Außerdem kommt 2027 endlich das Altersvorsorgedepot, der Nachfolger der Riester-Rente. Was sich damit konkret verbessert, steht hier.

Unser Rentensystem soll weiter reformiert werden. Daran arbeitet seit dem Jahreswechsel eine sogenannte Alterssicherungskommission. Auf dem Tisch liegen weitreichende Ideen: ein schrittweise steigendes Renteneintrittsalter bis 70, die Einbeziehung weiterer Berufsgruppen – etwa Beamter – in die gesetzliche Rentenversicherung und eine stärkere Rolle des Kapitalmarkts. In der 13-köpfigen Kommission sitzen übrigens mindestens drei harte Kritiker des Rentenpakets, die einen Brandbrief Rentenpaket zurückziehen unterschrieben hatten. Zumindest die drei könnten die Haltelinie und das Mindestsicherungsniveau wieder in Frage stellen.

Mitte des Jahres wird die Kommission ihre Vorschläge der Bundesregierung vorlegen. Dann wissen wir mehr. Bis dahin können sich Rentnerinnen und Rentner darauf einstellen: Sie bekommen Jahr für Jahr mehr Geld. Koste es, was es wolle.

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