Du liebst Spanien und träumst davon, deinen Ruhestand am Mittelmeer zu verbringen? Da bis du nicht allein. Die Deutsche Rentenversicherung überweist bereits um die 24.000 Deutschen ihre Rente nach Spanien. Das Land des Buena Vida – des guten Lebens – belegt damit den dritten Platz unter den Auswanderzielen deutscher Senioren, nur knapp hinter Österreich und der Schweiz. Wir erklären, was du wissen solltest, wenn auch du mit einem Umzug nach Spanien liebäugelst.
Die wichtigste Botschaft: Die Rente bleibt sicher. Deutsche in Spanien erhalten weiterhin ihre deutsche Rente – müssen sie aber anders versteuern. Innerhalb der EU fließt die deutsche Rente grundsätzlich immer in voller Höhe weiter - jedenfalls brutto. Für einen nahtlosen Übergang solltest du die Deutsche Rentenversicherung aber spätestens zwei Monate vorher über deine Umzugspläne informieren.
Etwas komplizierter wird es beim Thema Steuern. Ob du deine Rente in Deutschland oder in Spanien versteuern musst, hängt davon ab, in welchem Land du steuerlich ansässig, das heißt überwiegend anzutreffen bist. Wer weniger als 183 Tage im Jahr in Spanien verbringt, etwa um im Warmen zu überwintern, zahlt auf seine Steuern weiterhin in Deutschland. Verlegst du deinen Lebensmittelpunkt dagegen dauerhaft oder überwiegend auf die iberische Halbinsel, zahlst du Steuern in Spanien und gibst dort auch deine Steuererklärung ab. Dafür musst du dich bei der spanischen Ausländerbehörde als Resident registrieren lassen. Dann bekommst du eine spezielle Ausländer-Identifikationsnummer – die Número de Identidad de Extranjero, kurz NIE. Sie ist gleichzeitig deine neue spanische Steuernummer. Du kannst die NIE schon vor dem Umzug beantragen. Das macht nicht nur die ersten Behördengänge, sondern auch die Wohnungssuche leichter. Für den Antrag gibt es spezielle Dienstleister. Oder du gehst den direkten Weg zu einem spanischen Konsulat in Deutschland.
Mehr Steuern auf die Rente...
Zurück zur Rente: Deutsche Ruheständler sollten sich grundsätzlich darauf einstellen, in Spanien etwas mehr Steuern zu zahlen als in Deutschland. Der spanische Steuerfreibetrag liegt nämlich niedriger, derzeit bei 5.550 Euro im Jahr. Zwar erhöht er sich für Personen ab 65 Jahren auf 6.700 Euro, ab 75 Jahren dann sogar auf 8.100 Euro. Trotzdem liegt er auch dann immer noch deutlich unter dem deutschen Freibetrag von aktuell 12.348 Euro.
Die Steuersätze für Renten in Spanien oberhalb dieses Freibetrags beginnen bei etwa 19 Prozent, bei sehr hohen Einkommen steigen sie auf bis zu 48 Prozent. Wie hoch dein persönlicher Steuersatz ist, hängt nicht nur von deinen Einkünften ab, sondern auch davon, wo du dich in Spanien niederlässt. Die Unterschiede zwischen den 17 autonomen Regionen des Landes können mitunter mehrere Prozentpunkte ausmachen. So gilt Madrid als steuerlich besonders attraktiv, während die bei Deutschen beliebten Baleareninseln höhere Sätze fordern.
Wichtig: Deutsche Beamte, die als Pensionäre nach Spanien auswandern, zahlen in jedem Fall weiter nur in Deutschland Steuern und müssen auch nur in Deutschland eine Steuererklärung abgeben. Für sie gelten die oben genannten Regeln also nicht. Fragen rund um die Rentenauszahlung nach Spanien beantwortet die Deutsche Rentenversicherung Rheinland. Zu steuerrechtlichen Fragen berät das Finanzamt Neubrandenburg.
...weniger auf Kapitalerträge
Deine Kapitaleinkünfte aus Zinsen, Dividenden oder Kursgewinnen werden in Spanien deutlich geringer besteuert als in Deutschland. Während du hierzulande rund 27 Prozent Abgeltungsteuer zahlst, liegt der Steuersatz in Spanien für die ersten 6.000 Euro Kapitaleinkünfte im Jahr nur bei 19 Prozent. Bei weiteren Gewinnen von bis zu 50.000 Euro sind es 21 Prozent. Erst ab einem jährlichen Kapitalgewinn von 300.000 Euro zahlst du den Höchstsatz von 30 Prozent Steuern. Das kann ein erheblicher Steuervorteil sein, der das Minus bei der Rentenbesteuerung mildert, in manchen Fällen sogar mehr als ausgleicht.
Achtung: Teure Medizin
In Sachen Krankenversicherung gilt: Wer in Deutschland pflichtversichert war, bleibt das auch bei einem Umzug innerhalb der Europäischen Union. Du musst dich in Spanien also nicht neu krankenversichern, zahlst weiter Versicherungsbeiträge an deine Krankenkasse in Deutschland. Vorm Umzug musst du lediglich das sogenannte S1-Formular bei deiner deutschen Krankenkasse beantragen und der spanischen staatlichen Sozialversicherung (INSS) vorlegen. Von da an hast du in Spanien grundsätzlich ein Recht auf volle ärztliche Behandlung ohne weitere Kosten. Der Haken: Das Anrecht richtet sich nach dem örtlichen Standard, und die spanische Gesundheitsversorgung deckt weniger Leistungen ab als die deutsche. Zahnbehandlungen zum Beispiel werden eher selten übernommen.
Für deutsche Rentnerinnen und Rentner kann es sich daher lohnen, vor Ort zusätzlich eine private Krankenversicherung abzuschließen. Das ist in Spanien auch parallel zur gesetzlichen Versicherung möglich. 50- bis 65-Jährige sollten dafür mit etwa 90 bis 160 Euro im Monat rechnen. Ab dem 65. Lebensjahr steigen die monatlichen Kosten auf 150 bis 250 Euro.
Bist du in Deutschland privat krankenversichert, läuft es ähnlich. Mit einem Certificate of Entitlement deiner deutschen Privatversicherung kannst du dich in Spanien melden und hast von da an Anspruch auf alle Leistungen wie zuvor in Deutschland.
Auch die deutsche Pflegeversicherung zieht beim Umzug nach Spanien mit um. Dein Anspruch auf Pflegegeld bleibt derselbe wie in Deutschland, an der Höhe der Zahlung ändert sich nichts. Allerdings richtet sich dein Anspruch auf Sachleistungen wie spezielle Betten, Pflegeheime oder Rollstühle nun nach spanischem Standard. Und der ist abermals deutlich niedriger als der deutsche. Viele Rentner schließen deswegen auch dafür private Zusatzversicherungen ab. Generell gilt: Am besten lässt du dich dazu vor deinem Umzug persönlich bei deiner Krankenkasse beraten.
Hauskauf? Rechtliche Hilfe ratsam
Nun zu den schönen Dingen: dem Wohnen. Das ist in Spanien tendenziell günstiger als in Deutschland. Zwar sind auch hier die Quadratmeterpreise in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Derzeit sind nach Studien des Maklers Engel & Völkers rund 4.640 Euro für ein Haus auf Mallorca fällig und etwa 2.750 Euro für eine Wohnung in Alicante. Das liegt immer noch weit unter den Preisen deutscher Großstädte.
Wichtig für Kaufinteressierte: In Spanien sind Anzahlungen von zehn Prozent für eine Reservierung plus Vorvertrag üblich. Sollte der Verkäufer dann noch abspringen, muss er die doppelte Summe zurückzahlen. Springst du selbst ab, verlierst du deine Anzahlung. Zur Sicherheit kannst du beim Kauf einen Anwalt hinzuziehen. In Spanien gibt es zahlreiche Anwälte, die auf Englisch oder Deutsch weiterhelfen. Manche haben auch Büros in Deutschland und können dann von hier aus alles für dich abwickeln. Die Anwaltskosten liegen üblicherweise bei etwa einem Prozent des Kaufpreises.
Ein Treffen beim Notar ist die letzte Station im Prozess. Nun wird der Kaufpreis fällig, gegebenenfalls noch eingetragene Grundschulden von Banken aus dem Grundbuch werden gelöscht, der neue Besitzer ins Grundbuch (Registro de la Propiedad) eingetragen und die Schlüssel übergeben. Die Stempel- und Eintragungsgebühren für alles, was der Notar erledigt, machen rund 0,5 Prozent vom Kaufpreis aus. Grunderwerbssteuer müssen Käufer danach allerdings noch entrichten - und die hat es in sich. Sie schwankt je nach Region: In Andalusien liegt der Steuersatz bei 7 Prozent, auf den Balearen bei 8 bis 13 Prozent.
Worauf es beim Auswandern noch ankommt
In großen Expat-Gemeinden wie der Costa del Sol, auf den Kanarischen Inseln und den Balearen sprechen zwar viele Menschen Deutsch oder Englisch. Willst du bei Behördengängen, beim Arzt und im gesellschaftlichen Alltag allerdings souverän mitreden, dürftest du damit nicht weit kommen. Am besten eignest du dir schon vor deinem Umzug Grundkenntnisse in Spanisch an.
Und falls du dir noch unsicher bist, ob du im Ruhestand komplett umsiedeln möchtest, kannst du das Rentnerleben in Spanien ja auch erst einmal ausprobieren. Auswanderer-Foren können zudem helfen. Dort findest du eine Menge Tipps und Einblicke in das Rentnerleben unter der spanischen Sonne.
Wie es sich als deutscher Rentner in Frankreich, der Schweiz oder Griechenland lebt, erfährst du in kommenden Teilen unserer Serie.























