Bergpanorama in Tirol, Seen im Salzkammergut, Großstadtflair in Wien – Österreich hat für Auswanderer eine Menge Natur und Kultur zu bieten. Im jüngsten Economist-Ranking der lebenswertesten Städte weltweit schafft es die Hauptstadt Wien auf den zweiten Platz. Das Alpenland überzeugt laut dem Bericht unter anderem mit stabiler Infrastruktur und guter Gesundheitsversorgung. Und natürlich macht die sprachliche Nähe zu Deutschland das Leben leichter. Kein Wunder, dass es viele deutsche Ruheständler in den Süden zieht. Mehr als 30.000 Rentnerinnen und Rentner bekamen nach Statistiken der Deutsche Rentenversicherung im Jahr 2024 Geld nach Österreich überwiesen. Das macht das Land zum Auswanderungsziel Nummer Eins für deutsche Ruheständler, noch vor der Schweiz und Spanien. Wir erklären, was du wissen solltest, wenn auch du mit einem Umzug nach Österreich liebäugelst.
Teurer Einkaufen…
Grundsätzlich musst du dich darauf einstellen, dass du in Österreich für denselben Lebensstandard etwas tiefer in die Tasche greifen musst als in Deutschland. Vieles ist dort teurer. Das zeigt sich schon beim Wocheneinkauf: Lebensmittel wie Fleisch, Eier und Gemüse, aber auch Kosmetikartikel kosten deutlich mehr als bei uns. Laut Preismonitor der österreichischen Arbeiterkammer zahlen Verbraucher für vergleichbare Markenartikel in Österreich 27 Prozent mehr als hierzulande. Die unterschiedlichen Mehrwertsteuersätze rausgerechnet, sind es immer noch 23 Prozent mehr. Denn während in Deutschland regulär 19 Prozent Mehrwertsteuer fällig sind und 7 Prozent auf ermäßigte Waren wie Lebensmittel, sind in Österreich regulär 20 Prozent fällig. Zwei unterschiedlich ermäßigte Sätze liegen hier bei 10 und 13 Prozent.
… günstiger Wohnen
Wohnen kannst du in Österreich dafür im Schnitt deutlich günstiger. Ende 2025 lag die Durchschnittsmiete in Österreich bei 10,20 Euro pro Quadratmeter. In Deutschland sind es inzwischen 12,89 Euro. Die Mieten in der Alpenrepublik sind in den vergangenen Jahren allerdings stärker gestiegen als in der Bundesrepublik, zumal in Österreich Indexmieten weit verbreitet sind, die sich nach der Inflation richten. Allerdings steuert die österreichische Regierung seit 2026 gegen: Ab diesem Jahr dürfen die Mieten nur noch einmal jährlich erhöht werden. Liegt die Inflation über drei Prozent, darf dabei außerdem nur noch ein Teil davon weitergegeben werden.
Wie lauft es in Österreich mit Rente und Steuern?
Deine Rente bleibt dieselbe wie in Deutschland. Wichtig ist nur, dass du die Deutsche Rentenversicherung rechtzeitig über deine Umzugspläne informierst. Laut DRV kündigst du einen Umzug am besten zwei Monate im Voraus an. Hast du darüber hinaus Fragen zur Rentenauszahlung nach Österreich, wende dich an die dafür zuständige Deutsche Rentenversicherung Bayern Süd.
Außerdem stellst du am besten mit deinem Umzug nach Österreich in Deutschland gleich einen Antrag auf unbeschränkte Steuerpflicht. So bleibst du in Deutschland weiterhin unbeschränkt steuerpflichtig, auch wenn die in Österreich lebst. Und damit steht dir auch weiterhin der deutsche Grundfreibetrag zu – zumindest, solange du keine weiteren Einkünfte in Österreich erzielst. Diesen Antrag musst du beim Finanzamt Neubrandenburg stellen.
Wenn du das nicht tust, bist du fortan in Deutschland nur noch beschränkt steuerpflichtig – und verlierst damit im Ruhestand wichtige Vorteile. Ohne Grundfreibetrag etwa müsstest du den steuerpflichtigen Teil deiner Rente vom ersten Euro an versteuern. Selbst bei einer relativ kleinen Rente fallen dann Steuern an. In diesem Jahr darfst du sonst als alleinlebende Rentnerin in Deutschland 12.348 Euro im Jahr steuerfrei einnehmen, also 1.029 Euro im Monat. Verheiratete oder verpartnerte Rentner haben Anspruch auf den doppelten Freibetrag.
ACHTUNG: Welche Einnahmen wo versteuert werden
Während die gesetzliche Rente und Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung nach dem Auswandern weiter in Deutschland besteuert werden, musst du betriebliche und private Altersvorsorgeleistungen in Österreich versteuern.
Krankenversicherung: Fast alles beim Alten
Bei der Krankenversicherung ändert sich wenig, wenn du nach Österreich auswanderst. Grundsätzlich gilt: Wer in Deutschland pflichtversichert war, bleibt das auch bei einem Umzug innerhalb der Europäischen Union. Du musst dich in Österreich also nicht neu krankenversichern, zahlst stattdessen weiter Versicherungsbeiträge an deine Krankenkasse in Deutschland. Vor dem Umzug musst du allerdings das sogenannte S1-Formular bei deiner deutschen Krankenkasse beantragen und anschließend der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) vorlegen. Nur so bekommst du eine österreichische Versichertenkarte und kannst damit vor Ort zu Arzt gehen. Bist du in Deutschland privat krankenversichert, läuft es ähnlich. Mit einem Certificate of Entitlement deiner deutschen Privatversicherung kannst du dich in Österreich melden und hast von da an Anspruch auf alle Leistungen wie zuvor in Deutschland.
Und auch die deutsche Pflegeversicherung zieht beim Umzug mit um. Dein Anspruch auf Pflegegeld bleibt derselbe wie in Deutschland, an der Höhe der Zahlung ändert sich nichts. Anspruch auf sogenannte Pflegesachleistungen wie einen ambulanten Pflegedienst gibt es im EU-Ausland allerdings nicht. Wenn du darauf angewiesen bist oder damit rechnest, solltest du dich privat zusatzversichern.
Wie es sich als deutsche Rentnerin oder Rentner in Spanien lebt, erfährst du im ersten Teil unserer Serie.


































