Die Altersvorsorge per ETF ist beliebter denn je: Fast sechs Millionen Sparpläne werden monatlich ausgeführt, die Deutschen stecken fast 200 Milliarden Euro in ETFs, zeigen aktuelle Marktstatistiken. Und mit dem Start des neuen Altersvorsorgedepots dürfte die Zahl der Sparpläne weiter in die Höhe schnellen - denn ETFs sind als preiswerte und einfache Anlagelösung gerade für Aktieninvestments eine gute Wahl. Wer mit einem solchen Investment liebäugelt, sollte sich aber der Risiken bewusst sein, die er damit eingeht. Schließlich gilt auch hier der Grundsatz: Investiere nur in etwas, das du auch verstehst.
Was ist ein ETF?
ETF ist eine Abkürzung für Exchange Traded Fund, wörtlich übersetzt ein börsengehandelter Fonds. Die meisten ETF sind nicht nur börsengehandelt, sondern zugleich auch sogenannte Indexfonds. Anders als bei aktiven Fonds, bei denen ein Fondsmanagement darüber entscheidet, in welche Titel der Fonds investiert, passiert das bei solch passiven Index-ETFs automatisch: Sie bilden einen festen Korb von Aktien nach, der von einem Indexanbieter nach festen Kriterien auswählt und gewichtet wurden. Der MSCI World beispielsweise, einer der beliebtesten Indizes für ETFs, deckt 85 Prozent der Marktkapitalisierung der wichtigsten Industrieländer weltweit ab. Aktuell sind das etwa 1.300 Aktien. Der Index gewichtet die Titel nach Marktkapitalisierung. Da bedeutet: Besonders große, also wertvolle Unternehmen, haben einen höheren Indexanteil als Unternehmen, die an der Börse weniger wert sind. Bei börsennotieren Fonds können Anleger übrigens jederzeit nachsehen, welche Werte gerade darin stecken.
Inzwischen kommen neben passiven auch immer mehr aktive ETFs auf den Markt. Sie verbinden die Transparenz und niedrigen Kosten der börsengehandelten Fonds mit einer aktiven Strategie, weichen also immer wieder bewusst vom Index ab, um noch besser abzuschneiden. ETF sind also nicht (mehr) zwingend passiv.
Was passiert mit meinem ETF, wenn mein Broker pleitegeht?
Wenn du Wertpapiere kaufen willst, musst du dafür ein Wertpapierdepot eröffnen - auch das ab 2027 staatlich geförderte Altersvorsorgedepot wird ein solches sein. Das kannst du entweder bei deiner Hausbank machen, bei irgendeiner Online-Bank oder bei einem spezialisierten Broker. Du brauchst dabei keine Angst haben, dass dein Depot über Nacht plötzlich verloren geht, falls der Anbieter pleitegeht. Denn Wertpapiere sind Sachwerte, die deine Depotbank nur für dich verwahrt. Sollte also ein Broker bankrott gehen, nimmt dir niemand deine Ersparnisse weg. Du kannst sie einfach auf ein anderes Depot übertragen. Auch gewisse Guthaben, die gerade nicht investiert sind, sind nicht in Gefahr. Die europäische Einlagensicherung schützt bis zu 100.000 Euro auf dem Konto.
Was sind dann die Hauptrisiken von ETFs in der Altersvorsorge?
Ein ETF ist in erster Linie eine Produktklasse, die noch nichts über das Risiko aussagt. So gibt es ETFs auf Staatsanleihen, deren Wert kaum schwankt, die aber auch wenig Rendite liefern. Du denkst bei einem ETF wahrscheinlich an einen Aktien-ETF auf einen Index wie den MSCI World. Aktien gelten generell - ob im Fonds oder als Einzelwerte - als riskantere Assetklasse, wobei es auch hier Unterscheidungen gibt, je nachdem, welcher Index oder welche Titel zugrunde liegen.
Generell gilt: Je kleimer oder exotischer der Markt, desto höher das Risiko. So schwankt der deutsche Leitindex Dax stärker als der MSCI World, schon weil hier nur 40 Aktien vertreten sind. Auch bestimmte Themen- oder Branchen-ETFs bergen ein höheres Risiko. Ein Beispiel wären ETFs auf einen Index der Solarbranche: Während der 2010er Jahre haben europäische Hersteller von Photovoltaikanlagen hohe Kursbewertungen erzielt. Dann kam Konkurrenz aus China, die europäischen Titel verloren reihenweise an Wert oder rutschen gar in die Insolvenz. Seitdem hat sich Europas Solarenergie-Branche nicht mehr erholt.
Wie kann ich mein Risiko senken?
Wenn du investierst, gehst du Kursrisiken ein. Du weißt nicht, ob du gerade besonders günstig oder eher teuer einkaufst. Das Gute ist: Niemand weiß das. Daher gibt es auch keinen perfekten Zeitpunkt zum Investieren, und falls doch, wirst du diesen Moment kaum erwischen können.
Die beste Strategie, mit dieser Unsicherheit umzugehen, ist ein langer Atem. Denn wenn du über Jahre oder Jahrzehnte immer wieder anlegst, senkst du im Durchschnitt das Risiko, den falschen Moment erwischt zu haben. Zudem profitiert dein Erspartes dann auch noch vom Zinseszinseffekt. Selbst wenn die Renditen mal etwas mau sind, lohnt es sich allein dafür, dranzubleiben. Wenn du über einen Sparplan investierst, kaufst du immer mal etwas günstiger, mal teurer ein. Das gleicht sich über die Jahre aus.
Außerdem kannst du dein Risiko über Diversifikation senken, also Streuung auf unterschiedliche Anlagen, statt alles auf eine Karte zu setzen. Mit einem ETF-Kauf verteilst du dein Geld sowieso schon auf verschiedene Unternehmen, Branchen und Länder. All das senkt systematisch dein Anlagerisiko, weil schwache Entwicklungen in einem Bereich von starken in anderen Bereichen aufgefangen werden.
Tipp: Welche Indizes für die Altersvorsorge besonders gut geeignet sind, erfährst du in unserem Beitrag zur Indexauswahl.

































