Wer früh spart, profitiert später. Denn mit dem Ruhestand beginnt die Zeit, seine Ersparnisse zu nutzen. Anders gesagt: Auf die Anspar- folgt nun die Entnahmephase.
Dafür stehen zwei grundverschiedene Wege offen: Entweder, die Ersparnisse fließen nun in eine Versicherung, die dann lebenslange Zahlungen garantiert. Oder du belässt das Geld auf dem Konto oder in einem Depot und verzehrst es über eine lange Zeit. Welcher der beiden Wege strategisch sinnvoller ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab.
Option 1: Entnahmepläne
Beginnen wir mit der Entnahme ohne Versicherung. Einen einfachen Weg dazu bieten sogenannte Auszahlpläne von Banken. Hier gibt es zwei Komponenten: Feste Zinsen auf dein Kapital. Und eine fest vereinbarte monatliche Auszahlung über einen bestimmten Zeitraum. Die Höhe des Zinssatzes und die Laufzeit hängen voneinander ab; es gibt auch Varianten mit Kapitalerhalt, bei denen das Geld am Ende nicht oder nicht komplett weg ist.
Etwas anders funktionieren Fonds- oder ETF-Entnahmepläne. Hier legst du als Anleger eine Summe fest, die du regelmäßig erhältst - letztlich ein umgedrehter Fondssparplan. Anders als bei dem Auszahlplan kannst du die Entnahme anpassen oder auch mal drauf verzichten. Das ist sinnvoll bei sinkenden Kursen, die den Kapitalstock angreifen. Umgekehrt kann das Vermögen über viele Rentenjahre oder Jahrzehnte mit voller Marktrendite weiterwachsen. Das gilt vor allem, wenn es überwiegend am Aktienmarkt investiert bleibt.
Kapitalerhalt und ewige Rente
Auch den Fonds-Entnahmeplan gibt es mit Kapitalerhalt. Dann lässt du dir nur regelmäßige Erträge auszahlen, wie Zinsen oder Dividenden. Der Rest bleibt im Depot oder geht später an die Erben. Einige Anleger orientieren sich auch an der sogenannten Vier-Prozent-Regel. Wie die funktioniert, kannst du in einem anderen Beitrag nachlesen.
Ein Knackpunkt bei der Wahl der passenden Variante für dich ist das sogenannte Langlebigkeitsrisiko. Dahinter verbirgt sich die Sorge, in den letzten Lebensjahren ohne Geld dazustehen. Genau das könnte vielen Deutschen drohen, wie eine aktuelle Studie des Vermögensverwalters Fidelity zeigt: Danach hat jeder zweite Deutsche über 50 eine Rentenlücke von umgerechnet zehn Jahren. Der Grund: Viele Menschen unterschätzen nach wie vor, wie alt sie werden und sparen nicht genug.
Bist du im Alter auf die private Zusatzrente angewiesen, solltest du das Langlebigkeitsrisiko beachten und am besten ausschalten. Das geht theoretisch mit dem Konzept der ewigen Rente - dafür brauchst du aber sehr viel Kapital oder Glück bei der anfänglichen Rendite, wie unsere Analyse zur ewigen Rente zeigt.
Option 2: Versicherung
Oder du nutzt eine private Rentenversicherung. Hierbei wandelst du deinen angesparten Kapitalstock per Einmalzahlung in eine monatliche Rente um. Der sogenannte Rentenfaktor entscheidet für die Höhe der Auszahlung. Bei einem Rentenfaktor von 30 bekommst du beispielsweise für 100.000 Euro also 300 Euro pro Monat ausgezahlt. Die Höhe ist nicht immer garantiert, kann je nach Vertrag im Lauf der Zeit auch steigen oder sinken. Aber sie gilt in jedem Falle bis zum Tod.
Teuer, unflexibel, aber lebenslang
Wer sehr alt wird, profitiert also besonders. Nachteile liegen, wie Verbraucherschützer immer wieder kritisieren, vor allem in hohen Abschluss- und Vertriebskosten. Die Renditen der Verträge sind damit begrenzt. Ein weiterer Nachteil liegt in der Starrheit: Wer seine Rente über einen Entnahmeplan aufstockt, ist viel flexibler, denn dort können Ruheständler ihre Auszahlsumme jederzeit verändern, vererben oder verschenken. Brauchst du also beispielsweise nach schwerer Krankheit oder als Pflegefall mehr Geld, kannst du deine Ersparnisse auch schneller aufbrauchen als ursprünglich geplant.
Mit einer Rentenversicherung ist das nicht so einfach. Eine frühere Auszahlung ist zwar bei manchen Verträgen teilweise möglich, aber oft mit hohen Abschlägen verbunden. Und wer angespartes Kapital vererben will, falls er besonders früh stirbt, verzichtet auch für diese Zusatzleistung auf Rendite.
Fazit: Du musst selbst entscheiden, ob du dir maximale Sicherheit wünschst und dich dafür mit einer kleineren Zusatzrente zufrieden gibst. Oder ob du deine Finanzen selbst verwalten willst und riskierst, dass das Geld nicht bis zum Lebensende reicht. Möglich ist natürlich auch eine Kombination beider Modelle.
Der Blick in die Zukunft: Rente als ultimative Absicherung?
Die Abwägung zwischen lebenslanger Garantie und höherer Rendite führt oft in ein Dilemma - und das verdient auch eine gesamtgesellschaftliche Würdigung. Wissenschaftler der Deutschen Rentenversicherung haben dazu im Jahr 2025 einen Lösungsvorschlag entwickelt.
Die gesetzliche Rentenversicherung könnte als letztes Sicherheitsnetz das Langlebigkeitsrisiko absichern. Die ersten Jahre des Ruhestands könnten im Gegenzug vor allem aus der privaten und betrieblichen Altersvorsorge finanziert werden. Erst wenn deren Kapital aufgebraucht ist, springt die gesetzliche Rente ein. Auch wenn der Gedanke schlüssig erscheint: Eine Initiative aus der Politik, ein solches neues Rentenmodell praktisch umzusetzen, fehlt bislang.


















