Mit 67 Jahren ist noch lange nicht Schluss. Auch wenn das Rentenalter sich gerade schnellen Schritts der neue Standard-Altersgrenze nähert, wollen und sollen Arbeitnehmer und Selbstständige auch nach dem gesetzlichen Eintritt in den Ruhestand berufstätig, also aktiv, bleiben. Das machen auch jetzt schon einige: Im Jahr 2023 etwa waren bereits um die 600.000 Menschen noch nach Eintritt der Regelaltersrente weiter im Job. Die Zahl der älteren Erwerbstätigen nimmt immer weiter zu.
Gründe fürs Dranbleiben gibt es viele: Manchen macht der Job nach wie vor Freude und sie möchten den gesellschaftlichen Anschluss nicht verlieren, andere zwingt ihre finanzielle Lage zum Weiterarbeiten. Umgekehrt freuen sich auch viele Unternehmen, die wegen des Fachkräftemangels gern auf die Erfahrung älterer Mitarbeiter zurückgreifen und sie mit Kusshand weiterbeschäftigen.
Die neue Aktivrente: Steuerfreier Zuverdienst
Der Staat fördert das freiwillige Weiterarbeiten seit Anfang dieses Jahres ebenfalls: mit der sogenannten Aktivrente. Bei der Aktivrente handelt es sich um einen monatlichen Steuerfreibetrag in Höhe von 2.000 Euro, den du erhältst, wenn du über die Regelaltersgrenze hinaus berufstätig bleibst. Das Angebot gilt indes nur für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Selbstständige, Freiberufler, Beamte und Minijobber bleiben außen vor.
Die älteren Beschäftigten profitieren automatisch von der Steuerfreiheit, der Freibetrag wird beim Lohnsteuerabzug durch den Arbeitgeber automatisch berücksichtigt. Wer mehr als 2.000 Euro im Monat verdient, zahlt nur Steuern auf den Teil darüber. Nur sozialversicherungspflichtig ist und bleibt grundsätzlich das gesamte Gehalt.
Parallel darfst du dabei bereits die gesetzliche Rente beziehen. Der Steuerbonus hat auf die Rentenhöhe keinen Einfluss. Seit 2023 dürfen Ruheständler ohnehin unbegrenzt viel dazuverdienen, ohne dabei Kürzungen bei ihrer Altersrente erwarten zu müssen. Du profitierst auch von der Aktivrente, wenn du deinen Rentenantrag noch aufschiebst und erst später Rentenbezüge beantragst. In diesem Fall kannst du deine gesetzliche Rente noch steigern.
Pro Monat, den du auf die Zahlung verzichtest, gibt es einen Zuschlag von 0,5 Prozent auf die spätere Rente, sodass also mit jedem Jahr, das Angestellte später in den Ruhestand gehen, die monatlichen Bezüge um sechs Prozent steigen. Das lohnt sich vor allem bei kleinen Renten und wenn die körperliche Verfassung das Weiterarbeiten noch zulässt. Allerdings sollten Senioren Kosten und Nutzen genau abwägen. Schließlich lohnt sich der spätere Rentenbezug unterm Strich vor allem dann, wenn man alt wird.
Ein grob überschlagenes Rechenbeispiel zeigt den Unterschied: Ein Rentner hat Anspruch auf eine gesetzliche Rente von 1.500 Euro im Monat. Wenn er nun ein Jahr länger arbeitet und noch keine Rente bezieht, kann er die Rente auf 1.590 Euro monatlich steigern. In diesem Jahr entgehen ihm allerdings 18.000 Euro an Rentenzahlung. Es dauert dann fast 17 Jahre, bis sich im Verhältnis dazu die 90 Euro monatliche Rente on top amortisiert haben. Bis dahin ist er 84 Jahre alt.
Gesellschaftlicher Nutzen? Umstritten
Einer alternden Gesellschaft kommt das Modell der Aktivrente zugute. Denn der demografische Wandel ist nicht nur eine Herausforderung bei der Suche nach geeigneten Arbeits- und Fachkräften, sondern auch für das Rentensystem selbst. Die Bundesregierung hofft durch die Aktivrente auf mehr freiwillig berufstätige Rentner, die den Arbeitsmarkt und letztlich auch die Rentenkasse entlasten.
Ob das gelingt, ist allerdings umstritten. Die Aktivrente kostet den Staat nämlich zunächst einmal rund 2,8 Milliarden Euro im Jahr –das hat das Institut der deutschen Wirtschaft jüngst in einer Studie berechnet. Die Wissenschaftler zweifeln umgekehrt den Nutzen des Steuergeschenks. Immerhin arbeiteten die bisher berufstätigen Senioren laut IW vor allem aus Freude am Job weiter, nicht aus finanziellen Gründen. Ob die Aktivrente nun doch mehr Rentner zu einem späteren Ruhestand bewegt? Das muss sich erst zeigen.




















