Die Zeiten an der Börse sind gerade mal wieder aufregend: Jahrelang ging es für viele Titel steil nach oben, nun mehren sich die mahnenden Stimmen, die vor hohen Schwankungen wegen hoher Bewertungen warnen oder gar fürchten, bald könnte eine Blase platzen. Wenn du in diesem Umfeld dein mühsam angespartes Kapitalpolster schützen willst, ist es Zeit für einen ausführlichen Check deines Depots oder ETF-Bestands.
Wann ist Umschichten sinnvoll?
Kapitalmärkte können äußerst sensibel auf die weltweite wirtschaftliche Entwicklung reagieren, gerade, wenn Aktien wie aktuell nach einer langen Phase mit Kursgewinnen hoch bewertet sind. Ob zum Zeitpunkt, zu dem du Geld aus deinen Depot entnehmen willst, die Kurse steigen oder fallen, lässt sich nicht vorhersagen. Es hat aber ehebliche Auswirkungen auf den Kapitalstand.
Kommt es im ungünstigsten Fall ausgerechnet am Anfang deines Ruhestands, also wenn du mit Entnahmen aus dem Anlagevermögen beginnen willst, zu einem Börsencrash, musst du Titel wie ETFs zum Tiefstpreis verkaufen und verlierst so womöglich einen großen Teil der früheren Erträge. Auch wenn heftige Crashs statistisch gesehen selten sind, gefährdet das sogenannte Sequence-of-Return-Risiko Depots in der Entnahmephase besonders stark. Heißt: Willst du nach und nach Anteile verkaufen, um davon zu leben, können schlechte Börsenjahre mit hohen Kursverlusten zu Beginn dieser Zeit das Vermögen viel schneller schrumpfen lassen als geplant. Diese Verluste lassen sich in späteren Jahren dann nur noch schwer wieder wettmachen, weil beim nächsten Aufschwung ja viel weniger Kapital übrig ist, um frühere Verluste noch mal auszugleichen. Um dieses Risiko zu reduzieren, kann es sich lohnen, umzuschichten.
Wie funktioniert das Umschichten?
Beim Umschichten verkaufst du risikoreichere Anlagen im Depot, zum Beispiel Aktien-ETF, und steckst die Erlöse in Anlagen mit weniger Schwankungsrisiko wie etwa Anleihe-ETF. Damit bringst du deine Kapitalerträge gewissermaßen vor Kursschwankungen in Sicherheit. Das Umschichten kann schon vor der Entnahme sinnvoll sein. Es bietet sich sogar an, einmal im Jahr das Verhältnis zwischen Sicherheit und Risiko im Depot anzupassen, so dass beides immer der gedachten Aufteilung entspricht. Zwei Faktoren sind dafür ausschlaggebend:
- Mathematik. Die Gewichte beziehungsweise Anteile in einem Depot verschieben sich von selbst in Richtung der Anlagen, die die höchste Rendite einbringen. Weil Kursgewinner aber meist auch die höchsten Schwankungsrisiken aufweisen, steigt so in guten Börsenjahren das Risiko in einem Portfolio automatisch an, wenn niemand gegensteuert.
- Strategie. Es ist es klug, mit zunehmendem Alter Schritt für Schritt Risiko abzubauen zugunsten schwankungsärmerer Anlagen. Einerseits, um vergangene Anlagerfolge zu konservieren. Andererseits, um nicht zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt Verluste realisieren zu müssen, weil man Anteile verkaufen muss.
Die regelmäßige Anpassung nennen Finanzexperten auch Rebalancing. Wichtig dabei: Weil jede Änderung im Depot Kosten verursacht, sollte das Umschichten gut überlegt sein.
Welche Strategien gibt es?
Die grobe Faustregel „Aktienquote = 100-Alter“ kann dir helfen, das Risiko im Depot deinem Lebensalter anzupassen. Idealerweise beginnst du spätestens einige Jahre vor der Rente damit, systematisch Risiko aus dem Depot zu nehmen. Wer mehrere Aktien-ETFs bespart, sollte zuerst Teile der schwankungsanfälligeren ETFs verkaufen und umlenken. Beispiel: Bei einem Depot mit einem weltweiten ETF und einen ETF für Schwellenländer unterliegt der Schwellenländer-ETF den größeren Schwankungen. Er fliegt zuerst aus dem Depot.
Eine andere Umschichtungsstrategie richtet sich nach dem Anlagehorizont. Die Bucket-beziehungsweise Eimer-Strategie verteilt das bisher gesammelte Kapital gedanklich in einen Teil zur kurz-, mittel- und langfristige Nutzung. Du solltest dir also Gedanken machen, wann du wie viel Geld zur Verfügung haben willst. Das Geld, das du recht sicher bald verbrauchst, investierst du dann in Anlagen mit dem geringsten Schwankungsrisiko. Einen zweiten Geldtopf planst du für Vermögen ein, das du erst in beispielsweise fünf Jahren anrührst. Dafür wählst du Anlagen mit etwas mehr Risiko. Vermögen, das du noch viel später antasten wirst, fließt in Anlagen mit hohem Aktienanteil. Da der renditereichste Eimer den längsten Anlagehorizont hat, machen kurzfristige Börsenschwankungen hier am wenigsten aus.
TIPP: Das Modell der (gedanklichen) Töpfe kannst du auch noch für dein Depot in der Rentenzeit nutzen. Denn möglicherweise willst du einen Teil davon ja auch erst viel später antasten. Dann kannst du damit auch weiterhin mit hohem Risiko investieren.
Gibt es automatisch umschichtende Fonds und ETFs?
Wer sich diese Arbeit ersparen möchte, kann auch spezielle ETFs oder Fonds wählen. Sogenannte Lebenszyklus-Fonds, auch Target-Fonds genannt, sind zeitlich befristete Fonds mit einer Art innerem Countdown. Am Anfang investieren sie überwiegend in renditereiche Aktien. Rückt der festgelegte Entnahmezeitpunkt näher, verringert sich der Aktienanteil automatisch schrittweise und Anlageanlternativen mit geringerer Volatilität nehmen zu. Die Umschichtung läuft von selbst, führt allerdings zu etwas höheren Gebühren.
Das automatische Umschichten ist zudem auch bei der Standard-Variante des neuen Altersvorsorgedepots eingeplant. Der sogenannte Standarddepot-Vertrag enthält immer zwei feste Investmentfonds: einen risikoarmen (Risikoklasse 1-2 von 7) und einen mit mittlerem Risiko (3-5). Fünf Jahre vor Auszahlungsbeginn wird der Anteil des riskanteren Fonds auf höchsens noch 50 Prozent abgesenkt, zwei Jahre vorm Ende auf 30 Prozent. Du kannst jederzeit eine andere Aufteilung wählen, aber wenn du nichts tust, läuft die Zeitschaltuhr ganz von selbst.








































