Schweden steht für Pippi Langstrumpf, ABBA und blaue Möbelhäuser. Und gilt als Vorbild für die deutsche Rentenreform. Wir erklären, wie das System in Schweden funktioniert, was sich Deutschland abgeschaut hat und wo es bei uns anders läuft.
Vorab ein Fakt, das mit Blick auf den nordischen Nachbarn auf der anderen Seite der Ostsee manchmal untergeht: Die Rente in Schweden ähnelt in gewisser Weise der deutschen. Denn den Kern bildet hier wie dort ein staatliches Rentensystem, in Schweden auch als Einkommensrente bekannt. Hinzu kommen eine im Norden besonders stark verbreitete betriebliche Vorsorge und private Bausteine. Wie in Deutschland läuft auch die schwedische Staatsrente über ein Umlagesystem: Die Beiträge heutiger Arbeitnehmer finanzieren also die Renten heutiger Rentner. Einzahlungen landen indes auf einem persönlichen Versicherungskonto und bestimmen, wie hoch die späteren Ansprüche sind. Ein entscheidender Unterschied ist damit bereits markiert: Während Deutschland konkrete Leistungsversprechen macht und das Rentenniveau per politischem Beschluss in dem kommenden Jahren auf mindestens 48 Prozent festgeschrieben hat, gibt es eine solche Untergrenze in Schweden nicht.
Prämienrente als Blaupause
Dafür hat Schweden noch eine zweite verpflichtende Rente über den Aktienmarkt aufgebaut, die sogenannte Prämienrente. Genau diese ist meistens auch gemeint, wenn Experten vom schwedischen Vorbild für die deutsche Rente sprechen. In Schweden funktioniert das so: Es fließen automatisch 2,5 Prozent Beitrag jeden Monat in den Aktienmarkt, zusätzlich zu 16 Prozent für das Umlagesystem. Einzahler können bei der Prämienrente selbst entscheiden, ob sie dafür den schwedischen Staatsfonds nutzen oder in einen selbst ausgesuchten Fonds einzahlen. Das schlägt die Alterssicherungskommission auch für Deutschland vor. Konkret sollen bei uns mittelfristig zwei Prozent des Bruttolohns zusätzlich zur Umlage-Rente in den Kapitalmarkt fließen. Beginnend mit 0,5 Prozent ab 2028.
Wer sich in Schweden nicht aktiv dagegen entscheidet, landet bei der Prämienrente im Standardprodukt, dem staatlichen Fonds AP7, auch Sjunde Allmänna Fonden genannt. Der war in der Vergangenheit eine gute Wahl: Zwischen Auflegung im Jahr 2000 und dem Jahr 2025 erzielte der Fonds durchschnittlich 11 Prozent Rendite pro Jahr, schnitt damit besser ab als etwa der MSCI World Index. Die jährlichen Kosten liegen zudem unter 0,1 Prozent, was als sehr günstig einzuordnen ist. Ergebnis: Der Staatsfonds ist äußerst beliebt. „Die jüngeren Generationen entscheiden sich kaum noch dafür, selbst einen Fonds auszusuchen. Und das ist auch völlig in Ordnung so“, erklärte Philip Berlin Jarhamn von der schwedischen Rentenbehörde kürzlich gegenüber der Tagesschau. Wer sich für den Aktienmarkt interessiere, könne aber auch auf einen der anderen empfohlenen Fonds setzen. Mit steigendem Alter schichtet die schwedische Rentenversicherung das angelegte Kapital übrigens schrittweise in risikoärmere Papiere um.
Auch das Vorbild hat Schwächen
Das schwedische System ist auch so beliebt, weil es überaus transparent ist. Es ist klar definiert, welche Faktoren die späteren Auszahlungen beeinflussen und es gilt als finanziell überaus stabil. Allerdings warnen Kritiker, dass es das Risiko stärker auf die Versicherten verlagert. So gab es in den Jahren 2010, 2011 und 2014 bereits nominale Rentenkürzungen, berichtete Florian Blank, Rentenexperte der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, kürzlich gegenüber dem ZDF. Einkommensverluste der Rentnerinnen und Rentner seien in der Vergangenheit zwar durch Entlastungen bei den Steuern wieder ausgeglichen worden, doch es gebe nun mal Schwankungen. Ganz gelöst ist das Finanzierungsproblem also auch mit dem schwedischen Vorbild nicht.












































