In drei Monaten geht es los: Das neue Altersvorsorgedepot geht zum 1. Januar 2027 in den Vertrieb. Und das in einer ganzen Reihe unterschiedlicher Varianten, von denen der Staat eine als Standard für alle Anbieter vorschreibt - und zudem die Kosten auf höchstens 1 Prozent festlegt. Dieser Kostendeckel gilt für die sogenannten Effektivkosten, vereinfacht gesagt ist damit alles erfasst, was vom Ertrag abgeht. Hat dein Depot also in einem Jahr ein Plus von fünf Prozent erzielt, hättest du bei Effektivkosten in Höhe von einem Prozent eine Nettorendite von genau vier Prozent übrig. Diese Kosten schmälern jedes Jahr aufs Neue deinen Ertrag, auf Dauer entgehen dir also auch Zinseszinsen. Deshalb werden Kosten zum entscheidenden Faktor für den langfristigen Ertrag.
So viel Rendite kostet das Standarddepot im Worst Case
Angenommen du bist 30 Jahre alt, kannst also noch 37 Jahre lang dein Altersvorsorgedepot besparen. Jeden Monat zahlst du 150 Euro ein, zusammen mit dem staatlichen Zuschuss sparst du dann - Kinderzulage außen vor - jedes Jahr 2.340 Euro. Bei einer jährlichen Rendite von 7,5 Prozent kommst damit am Ende des ersten Jahres auf 2.503,80 Euro. Angenommen, du entschiedest dich für ein Standarddepot und der Anbieter schöpft die vollen 1 Prozent Kosten aus. Dann schrumpft deine Rendite entsprechend auf 6,5 Prozent. Im ersten Jahr würdest du damit 11,70 Euro für das Depot zahlen.
Klingt nicht viel. Bis zur Rente summiert sich das aber ganz schön. Ohne Kosten hättest du mit deinem Sparplan und einer durchschnittlichen Rendite von 7,5 Prozent bis zur Rente satte 435.959 Euro angespart. Bei einer jährlichen Rendite von 6,5 Prozent ergibt sich ein Endwert von nur 341.599 Euro. Effektiv hat dich das Depot dann rund 22 Prozent deiner Rendite gekostet. Und fast 100.000 Euro sind beim Anbieter gelandet. Wenn du willst, kannst du mit unserem Rechner selbst testen, wie die Rechung aussieht.
Erste Angebote liegen deutlich unter 1 Prozent
Die gute Nachricht ist: Es ist inzwischen erkennbar, dass die Anbieter den Kostendeckel keinesfalls ausschöpfen werden. Die Kosten der ersten Depots, die angekündigt wurden, liegen deutlich darunter. Der Broker Scalable etwa, der als einer der ersten Anbieter seine Kosten bekannt gab, will für das Standard-Altersvorsorgedepot im ersten Jahr keine Kosten verlangen und später höchstens 0,15 Prozent pro Jahr. Flatex wirbt sogar mit maximal 0,07 Prozent und will die Kosten fünf Jahre lang voll erstatten. Konkurrent Smartbroker rechnet mit laufenden Produktkosten im niedrigen zweistelligen Basispunktbereich, überwiegend unterhalb von 0,15 Prozent, und will diese drei Jahre lang vollständig erstatten. Die DWS will mit 0,1 Prozent starten, später sollen hier 0,28 Prozent anfallen. Und die Deka, die Fondstochter der Sparkassen, geht mit einem Standardangebot mit 0,1 Prozent Kosten an den Start.
Es ist davon auszugehen, dass sich bis zum Marktstart der Preiskampf noch weiter intensiviert. Außerdem gibt es bisher auch noch keinen öffentlichen Anbieter, von dem ebenfalls zu erwarten ist, dass er mit sehr niedrigen Kosten antritt. Ein gewisses Unsicherheitsband bleibt vorerst bestehen: Solange die Anbieter keine Produktinformationsblätter bereitstellen, ist noch nicht ganz klar, was genau mit ihren Prozentangaben gemeint ist und wie hoch somit die Effektivkosten tatsächlich ausfallen. Dazu gehören neben Depotgebühren, Order- und Transaktionskosten sowie Sparplangebühren auch weitere Produktkosten für die gehandelten Fonds oder ETFs. Möglich, dass im Kleingedruckten hier noch der eine oder andere Euro fällig wird.
Abschluss lohnt sich auch noch am Jahresende
Bevor du dich für einen Anbieter entscheidest, lohnt also unbedingt einen Blick in das Produktinformationsblatt. Dort müssen wirklich alle Kosten aufgelistet sein, zum Beispiel auch die für einen Abschluss und für einen Wechsel innerhalb der ersten fünf Jahre - danach ist dieser laut Gesetz stets kostenlos möglich.
Unser Tipp: Womöglich lohnt es sich sogar, erst im Verlauf des Jahres 2027 einen Vertrag abzuschließen. Bis dahin dürften dann alle Angebote am Markt sein und sich auch Tendenzen für die Preise in Folgejahre bilden. Um staatliche Zuschüsse musst du nicht fürchten, wenn du noch etwas abwartest. Selbst wenn du erst im Dezember mit deinen Einzahlungen startest, bekommt du trotzdem noch die volle Förderung.














































