Entspannte Sonnenstunden an der Türkischen Riviera oder Großstadttrubel im quirligen Istanbul: Für deutsche Rentnerinnen und Rentner hat die Türkei eine Menge zu bieten. An der 8.000 Kilometer langen Mittel- und Schwarzmeerküste locken lange Sommer, warmes Meer und eine große deutsche Auswanderergemeinschaft. Nicht zu vergessen: Die vergleichsweise niedrigen Kosten für Wohnen, Lebensmittel und den Nahverkehr. Ein weiterer Bonus ist die gute Erreichbarkeit. Bloß drei Flugstunden trennen Deutschland von der Türkei. Und von deutschen Flughäfen starten täglich bis zu 200 Direktflüge.
Deutsche Rente? Lässt sich mitnehmen
Deutsche Ruheständler erhalten auch im Nicht-EU-Staat Türkei die gesetzliche deutsche Rente. Möglich macht das ein Sozialversicherungsabkommen, das seit den 1960er Jahren zwischen beiden Ländern besteht. Es regelt unter anderem die Anerkennung von Versicherungszeiten und erklärt, unter welchen Voraussetzungen Versicherte ihre Leistungen über Ländergrenzen hinweg erhalten. Wichtig: Damit Rentenzahlungen nicht stoppen, will die Deutsche Rentenversicherung einmal jährlich eine Lebensbescheinigung sehen. Die können Ruheständler sich beispielsweise in jedem deutschen Konsulat oder einer Botschaft ausstellen lassen.
Steuern: Besser beraten lassen
Auch wenn deutsche Rentner ihren Lebensmittelpunkt in dieTürkei verlegen, können sie in Deutschland steuerpflichtig bleiben. Dazu gibt es ein Doppelbesteuerungsabkommen zwischen den Ländern. Es legt fest, welcher Staat die jeweilige Rente besteuern darf. Eine deutsche gesetzliche Rente etwa bleibt in der Türkei grundsätzlich steuerfrei, da sie von einem ausländischen gesetzlichen Sozialversicherungsträger stammt.
Für private und betriebliche Renten gilt diese Regel nicht automatisch: Die Türkei kann sie als Wohnsitzstaat besteuern, Deutschland als Herkunftsland unter bestimmten Voraussetzungen ebenfalls. Für Beamtenpensionen gelten ebenfalls besondere Regeln bei der Besteuerung. Wer seine Rente sowohl aus staatlichen als aus betrieblichen oder privaten Einkünften bezieht, lässt sich vorher am besten von einem Steuerexperten für internationales Steuerrecht beraten.
Alltagsosten: Die Inflation schlägt zu
Lange galt die Türkei als besonders günstig: Essen, viele Dienstleistungen und das Wohnen kosteten oft halb so viel wie in Deutschland. Doch inzwischen schrumpft der Abstand zu deutschen Preisen immer mehr. Im vergangenen Jahr etwa sind die Preise in der Türkei um rund 30 Prozent gestiegen. Seit der Corona-Pandemie hat das Land mit hoher Inflation zu kämpfen. Für deutsche Ruheständler ist das nicht ganz so problematisch, denn die Inflation findet in der Heimatwährung statt. Und solange die Rente in Euro und nicht in türkischer Lira fließt, kann man der Inflation entgehen. Kommen lokale Einkünfte dazu, sieht die Sache anders aus.
Der Preisanstieg zeigt sich auch im Immobilienmarkt. Angesichts der hohen Inflation werden steigende Mieten im Land zu einer erheblichen Belastung. Und in beliebten Küstenorten wie Antalya, Alanya, Bodrum oder Izmir steigen die Preise aufgrund einer starken Nachfrage aus dem Ausland weit über die Inflation hinaus. Wer vor Ort zur Miete wohnt, sollte genau prüfen, wie lange der Vertrag läuft, wann Anpassungen möglich sind und welche Nebenkosten anfallen.
Wer seinen Ruhestand in der Türkei plant, sollte sich zudem nicht von den aktuellen Preisen täuschen lassen, sondern besser die Wechselkurse und das steigende Preisniveau in seine Kalkulation einbeziehen. Wenn möglich, ist es gut, finanzielle Reserven für weitere Preisanstiege einzuplanen.
Knackpunkt Krankenversicherung
Achtung: Wer dauerhaft seinen Lebensmittelpunkt in die Türkei verlagert, verliert in der Regel seinen Mitgliedstatus in der deutschen Krankenversicherung. Nach einem Jahr Aufenthalt können Auswanderer stattdessen freiwillig in das türkische Sozialversicherungssystem SGK wechseln. Das geht auch für Ruheständler recht leicht, ohne Gesundheitsprüfung und Altersgrenze. Allerdings sollte man sich in der Türkei auf längere Wartezeiten beim Arzt und Sprachbarrieren vor allem in den staatlichen Krankenhäusern einstellen.
Wer mehr Service möchte und sich das leisten kann, kann eine zusätzliche private Krankenversicherung abschließen, die einem den Weg zu zusätzlichen medizinischen Leistungen eröffnet. In den größeren Städten wie Istanbul oder Ankara und an der Küste gibt es eine Menge private Krankenhäuser und Kliniken. Die Mitarbeiter in diesen gut ausgestatteten Einrichtungen sprechen oft Deutsch oder Englisch. Alternativ können deutsche Rentner sich auch mit spezialisierten Auslands-Krankenversicherungen für Auswanderer absichern, die dann einen ähnlichen Versorgungsstandard wie in der Heimat bieten. In fortgeschrittenem Alter und bei bestimmten Vorerkrankungen wird das aber teuer.
Pflege realistisch planen
Liegt der Lebensmittelpunkt dauerhaft in der Türkei, ist auch die deutsche Pflegeversicherung raus. Sie bietet dann keine Leistungen mehr. Pflegegeld gibt es allenfalls noch bei einem vorübergehenden Aufenthalt. Wer in der Türkei alt und sesshaft werden möchte, sollte sich daher frühzeitig um eine private Pflegezusatzversicherung kümmern. Und diese muss dann ausdrücklich auch Leistungen im nicht-europäischen Ausland anbieten. Als ein solches gilt die Türkei nämlich in der Regel unter Versicherern.
Traditionell pflegen in der Türkei Familienmitglieder ihre Angehörigen. Unterstützung durch professionelle Fachkräfte ist daher deutlich weniger verbreitet als in Deutschland. Wer keine Angehörigen vor Ort hat, sollte frühzeitig klären, welche ambulanten Dienste, Pflegeeinrichtungen oder privaten Betreuungskräfte in der Nähe überhaupt zur Verfügung stehen - und ob sprachliche und organisatorische Unterstützung möglich ist.














































