Der Staat fördert mit dem Altersvorsorgedepot die langfristige Geldanlage am Kapitalmarkt. Wer über das neue Altersvorsorgedepot investiert, erhält ab 2027 jährlich bis zu 540 Euro Grundzulage. Die Fonds für das Investment im Depot kannst du dabei selbst aussuchen. Es stehen nicht nur breit gestreute Welt-ETFs zur Auswahl, auch riskantere Fonds dürften in die Auswahl kommen. Wir geben einen Überblick, wie viel Risiko im Altersvorsorgedepot erlaubt ist – und was passieren kann, wenn es zu Marktturbulenzen kommt.
Wie viel Risiko ist förderfähig?
Um für das Altersvorsorgedepot infrage zu kommen, dürfen Fonds eine bestimmte Risikoklasse nicht überschreiten. Es gibt 7 Risikoklassen, im Altersvorsorgedepot sind aber nur Produkte bis zur Klasse 5 erlaubt. In welche Kategorie ein Fonds fällt, das richtet sich nach dem sogenannten Summary Risk Indicator, kurz SRI. Das ist eine zentrale Risikokennzahl aus der EU-weit gültigen Fonds-Verordnung namens PRIIPs. Ausschlaggebend für die SRI-Klasse ist vor allem die Volatilität, also die Stärke der Wertschwankung eines Fonds. Maßgeblich für das Schwankungsmaß ist in der Regel die Wertentwicklung der vergangenen fünf Jahre. In welche Risikoklasse ein Fonds im Ergebnis gehört, steht immer im Basisinformationsblatt des jeweiligen Fonds.
Eine höhere Risikoklasse bedeutet Chancen auf höhere Renditen, aber auch höhere Verlustrisiken durch zwischenzeitliche Kursausschläge nach unten. Die Risikoklassen 1 und 2 sind besonders risikoarm. Ein typisches Beispiel für einen Fonds aus Klasse 1 sind Geldmarktfonds. Sie investieren in festverzinsliche, kurzlaufende Wertpapiere wie Anleihen. Durch kurze Laufzeiten und feste Zinsen wächst der Wert dieser Fonds fast wie auf Schienen, die Rendite aber ist nicht viel höher als auf einem Tagesgeldkonto.
Ein typischer Welt-Aktien-ETF fällt dagegen regelmäßig in Risikoklasse 4. Das liegt daran, dass bei Aktien das Schwankungsrisiko generell höher ist. Umgekehrt senkt eine breite Streuung das Risiko bei Betrachtung eines großen Portfolios unterschiedlicher Titel. Bist du mit einem breit investierten Aktienfonds gleichzeitig in mehreren Regionen und Branchen investiert, ist es nun mal unwahrscheinlich, dass alle auf einmal im Kurs sinken. Auch Fonds großer Anlageregionen wie Europa oder Asien fallen häufig in Risikoklasse 4.
Klasse 5 ist die riskanteste noch förderfähige Kategorie. Hier sind die Fonds oft fokussierter. Typische Vertreter sind Länder-Fonds etwa für Deutschland oder China, aber auch Themenfonds wie zu KI oder Robotik. Weil du dich hier nur auf eine Region oder Branche konzentrierst, ist das Schwankungsrisiko höher als bei einem breiteren Aktieninvestment. Entsprechend fallen die Schwankungen oft stärker aus.
In Risikoklasse 6 und 7 findest du noch riskantere Produkte. Hier sind Optionsscheine und auch der Bitcoin vertreten, genauso wie Hebelprodukte und Hedgefonds. Diese Produkte gelten gemeinhin als besonders riskant, weshalb der Gesetzgeber entschieden hat, sie nicht für förderfähig zu halten.
Kann mein MSCI-World-Fonds in SRI-Klasse 6 rutschen?
In den vergangenen Jahren ging es an den Börsen insgesamt eher ruhig zu. Sollte es nun zu einer echten Krise oder einem Crash kommen, würde die Volatilität zunehmen und ein Fonds könnte dadurch rein rechnerisch in Risikoklasse 6 oder noch höher rutschen. Dann wäre er nicht mehr förderfähig, die Anbieter müssten ihn aus dem Depot nehmen.
Beim Standarddepot, wo der Anbieter die Fonds für dich auswählt, müsste er deine Anteile dann in andere förderfähige Produkte umschichten. Das könnte von Nachteil sein. Denn steigt die Volatilität in einer Krise, müsstest du mit dem Fondsverkauf Verluste realisieren und könntest möglicherweise gar eine anschließende Erholung verpassen, warnen Marktbeobachter.
Bei Depots mit eigener Fondsauswahl ist der Ablauf noch nicht ganz geklärt. Denkbar wäre, dass bestehende Positionen erhalten bleiben und du schlicht nichts Neues mehr in Klasse-6-Fonds einzahlen kannst. Möglich wäre aber auch hier, dass der Depotanbieter deine Risikopositionen automatisch veräußert.
Und passiert das wirklich?
Die gute Nachricht: Für marktbreite Fonds wie einen MSCI World ETF ist das alles sehr unwahrscheinlich. Das liegt daran, wie das SRI-Risiko gemessen wird: Die Einstufung beruht auf Kursschwankungen mehrerer Jahre, ein einzelner Einbruch schlägt deshalb nicht sofort voll durch. Der Fondsanbieter Amundi hat jüngst für Finanztip nachgeschaut und rückgerechnet, dass der MSCI-World-Index seit 1995 meistens zur Risikoklasse 4 gehört hätte, teilweise sogar in Klasse 3. Nur in wenigen Einzelfällen und für sehr kurze Zeit fiel er einmal in Klasse 5. Und das, obwohl die Dotcom-Krise und die Finanzkrise deutliche Markteinbrüche ausgelöst hatten. Weit entfernt also von Risikoklasse 6.
Und noch was: Die Neueinstufung passiert nicht plötzlich oder sozusagen über Nacht. Die Einstufung soll nach dem Willen der Regulierer nämlich ganz bewusst nie unmittelbar nach einem isolierten starken Schwankungsereignis passieren, sondern wird immer erst nach Ablauf einer Vier-Monatsfrist umgesetzt. Kurzfristige Zwangsumschichtungen mitten im Crash muss also niemand fürchten.
Wo du allerdings aufpassen solltest, sind einige Themenfonds, die heute schon in Klasse fünf liegen. Hier kann es eher passieren, dass ein Fonds in unruhigen Zeiten in Klasse sechs rutscht. Bei der Altersvorsorge sollten diese Fonds ohnehin allenfalls eine Beimischung zu einem breit gestreuten Aktienmarktinvestment sein.

















































